Winde weh‘n, Schiffe geh‘n weit in fremde Land

Nun zieht das BMW Guggenheim Lab weiter nach Mumbai und bringt dorthin sein „Seiden und Sammet-, Sammetzeug“, die Seidenstraße verkehrt herum.
Und die Mädchen von der Berliner Polizei stehen weinend am Strand unter dem Pflaster, sich verlegen die Haare zupfend.

Polizistinnen am 29.7.12 in der Christinenstr.

Das Lüftchen, das hier auf dem Pfefferberg wehte, war so lau, daß am Abschlußtag der Wind sich erbarmte und noch einmal kräftig blies, damit man den Eindruck hatte, es geschehe hier etwas.

Ein bi�chen Wind

Sogar einen Zaun warf er um, um die stets anwesende Polizei zu erschrecken.

ein umgeblasener Zaun

„Bastelstunden im Wohnzimmer der Avantgarde“ (Tagesspiegel) „Viel Lärm um nichts“ (Berliner Morgenpost), „Buletten nach Berlin“ (Stern) „Es war den Streit nicht wert“ (Berliner Zeitung) titelten die Zeitungen als Fazit. Alle mokierten sich über die inhaltliche Bedeutungslosigkeit des Lab.
Und die Kuratorin Maria Nicanor betonte in einem Interview mit der Nachrichtenagentur dapd noch einmal die Wichtigkeit der Kritik:

„Am schlimmsten wäre es gewesen, wenn das Lab vollkommen ignoriert worden wäre.“

Mag schon sein, daß ohne das Geplänkel um die Cuvry-Brache vom BMW Guggenheim Lab nicht weiter Notiz genommen worden wäre. So wie sich jetzt kaum jemand um das Audi Klassik Open Air („Von Händel bis Queen mit Feuerwerk“) schert, das in 2 Wochen in der Kulturbrauerei beginnt.
Mag sein, daß wir dem Lab mit unserem Protest zu mehr Aufmerksamkeit verholfen haben, als es verdient.
Aber für uns ist es auch eine Frage der Selbstachtung, uns dafür einzusetzen, daß nicht jeder Konzern oder Immobilienspekulant (nichts gegen die Bayern, aber zufällig kommen sie beide daher) von unserer Stadt Besitz ergreift und glaubt, ein Recht auf Eigennutz vor Gemeinnutz zu haben, nur weil er mit dem Geldsack winkt.

Das Lab zieht weiter und läßt seine Polizisten-Mädchen weinend am Strand zurück. Vielleicht werden sie sich bald mit den Räubern vom RäuberLäb auf der Cuvry-Brache anfreunden.

P.S.: Noch ein Tip an die Lab-Kuratoren: Kümmel läßt festgesetzte Winde durch den natürlichen Ausgang entweichen.

Pfefferberg: Kinder- und Nachbarschaftsgärten statt Büro- und Atelierhäuser

Umstrittenes Gelände: Zum Standort des BMW Guggenheim Lab auf einer „öffentlich zugänglichen Grünfläche“

In einem Italo-Western sagte Terence Hill zu Bud Spencer: „Wenn irgendwo in der Wüste ein Haufen Scheiße liegt, du trittst bestimmt rein!“

Das scheint auch für das BMW Guggenheim Lab zu gelten: Erst die Cuvrystraße, dann der Nordhof des Pfefferbergs. Naivität oder Kalkül? Wer weiß.
Jedenfalls sah so der Norddhof aus, bevor die Laberer kamen.
Grünfläche auf dem Nordhof

Dann kam die Planierraupe.

zusammengeschobenes Grün
Die Herrschaften begutachten die für das BMW Guggenheim Lab zusammengeschobene Grünfläche.

Kurz vorher hatte der grüne Herr Kirchner, seines Zeichens Bezirksstadtrat, dem dicken, fetten, seitwärtslaufenden Krebs aus dem Märchen grünes Licht (sic!) gegeben für die vertragswidrige Bebauung des Nordhofes mit einem Atelier- und Bürohaus.
“Das Ziel einer öffentlich zugänglichen privaten Grünfläche auf dem Nordhof des Grundstückes Schönhauser Allee 176 / Christinenstr. 18-19″, heißt es in einer am Dienstag von Bezirksstadtrat Jens-Holger Kirchner dem Stadtentwicklungsausschuss der BVV übermittelten Vorlage, “wird flächenmäßig eingeschränkt zugunsten der Errichtung eines Büro- und Atelier-gebäudes an den rückwärtigen Brandwänden der Quergebäude Schönhauser Allee 174 und 175.” Zur Begründung wird eine “Verbesserung der Wirtschaftlichkeit des Gesamtprojektes Pfefferberg” angeführt.

Was hat es mit dieser „Wirtschaftlichkeit“ auf sich?
Das verdient Aufmerksamkeit und eine Portion Enthüllungsjournalismus.

„Wenn das „BMW-Guggenheim-Lab“ nächsten Monat eröffnet, rückt sein Standort in den Blick“,schrieb das Stadtmagazin Zitty am15.5.2012 . Weiter heißt es:

„Der Pfefferberg, der einmal soziokulturelles Dorf werden sollte, entwickelt sich zur Festung der Edelkultur. “

Wie ist das geschehen? Wie ist der Pfefferberg den hoffenden, jungen Menschen im Aufbruch, die sich seit 1988 voller Idealismus auf den Weg machten, einen Ort für den Kiez, für die Jugend, für Künstler aller Couleur zu schaffen, aus der Hand genommen worden?

Wie konnte der abgebrühte Generalübernehmer K.D. Krebs 64,4% der Pfefferwerk Entwicklungs GmbH und Co KG ergattern und das aus dem Pfefferberg machen, was er heute ist:

Eine Ansammlung von Millionenerben, Millionären, Gastronomie-Unternehmen und Sozialkonzernen mit tariffreien Zonen für ihre Beschäftigten. (Maserati-Harry läßt grüßen!)

Wie konnte der Krebs pfeffrige Filetstücke portionieren und sie zu seinem Vorteil verscherbeln?

Was kosteten die

Filetstücke auf dem Pfefferberg?

Wer hat den Krebs ins Boot geholt? Wer hielt die Hand auf? Wir wissen noch nicht genug.

Die folgenden Zahlen wurden von der Unternehmensgruppe Krebs selbst veröffentlicht:

Akira Ikeda Galerie: Fertigstellung Dezember 2001 / Baukosten: 855.000 € / Nutzfläche: 455 m²

AEDES Berlin: Fertigstellung Mai 2006 / Baukosten: 420.000 € netto / Nutzfläche: 315 m²

ICI Berlin: Fertigstellung August 2006 / Baukosten: 2.956.000 € netto / Nutzfläche: 2.268 m²

Studio Olafur Eliasson: Fertigstellung Juli 2008 / Baukosten: 2.762.000 € netto / Nutzfläche: 3.666 m²

Galerie Mikael Andersen: Fertigstellung August 2008 / Baukosten: 632.000 € netto / Nutzfläche: 472 m²

Die Zahlen für Meinblau, die Büroräume des Pfefferwerks, das Restaurant Pfeffer, das Tauro und die VIA-Unternehmungen Pfefferbett und Komödienstadl sind uns nicht bekannt. Für Hinweise wären wir dankbar.

6 Millionen € für den Krebs?

Ebensowenig sind uns die Preise für den Verkauf des Erbbaurechts und den Verkauf der Gebäude bekannt.
Für den Teil des Nordhofs, auf dem das von dem grünen Herrn Kirchner bewilligte Büro- und Atelierhaus entstehen soll, wenn das BMW Guggenheim Lab abgezogen ist, wurden als Antwort auf eine Kleine Anfrage zum Nordhof Zahlen genannt: „Weit über 600 000 €“ für eine Nutzfläche von 1400m². Die Gesamtnutzfläche des Pfefferbergs incl. Nordhof wird mit ca. 20 000m² angegeben. Dann kommt man auf knapp 9 Millionen €, wenn man den Preis für die 1400m² zum Maßstab nimmt, davon ca. 6 Millionen für den Krebs.
Das stinkt doch zum Himmel!

Und wenn das BMW Guggenheim Lab am 13. und 14. Juli über Verdrängung, über die Gestaltung der sozialen Stadt und über Gemeinschaftsgartenprojekte diskutieren will, sollte es nicht in die Ferne schweifen, sondern gleich mit seinem Standort beginnen.
Warum soll hier im Nordhof zur Bereicherung des Krebses ein Atelier- und Geschäftshaus entstehen? Paßt das überhaupt in das Baudenkmal?

Warum kann hier nicht ein Nachbarschaftsgarten erblühen oder ein internationaler Kindergarten entstehen, wie es einmal angedacht war, mit einer Spielfläche für die Kinder der Nachbarschaft?

Das zu erreichen wäre ein lohnenswertes Ziel für das BMW Guggenheim Lab vor seiner Weiterreise nach Mumbai, statt Berlin mit kostspieligen Warum ist die Banane krumm?-Fragen zuzukleistern.

warum sind wir immer in Eile? 9×12m-Transparent am Alex

Auf den Spuren der Quandts in Berlin. Eine notwendige Exkursion

Werte Kuratoren des BMW Guggenheim Lab!

Ihr macht doch so gerne Exkursionen.
Wenn ihr, wie ihr immer behauptet, in euren Entscheidungen bezüglich des Inhalts eures ‚Labs‘ völlig unbeeinflußt von euren Finanziers der BMW-Group seid, dann solltet ihr eine der Entdeckungstouren aus eurem Programm einer besonderen „Schicht der Stadt“ (the layers of the city) widmen, der Schicht der Moral- und Herzlosigkeit der BMW-Eigner.

Die Quandts: „Für moralische Bedenken hatten sie kein Organ“

Der Historiker Scholtyseck hat 4 Jahre lang die Rolle der Quandt-Familie in der Nazi-Zeit untersucht und einen umfassenden Bericht vorgelegt. In einem Interview kommt er zu folgenden Schlüssen:

„Gibt es Dokumente, die auf moralische Bedenken der Quandts hinweisen?

Nein, dafür hatten die Quandts offenbar kein Organ. Gerade die „Arisierungen“ zeigen, dass Günther Quandt jede Gelegenheit zur Bereicherung nutzte, wenn es in die Unternehmensstrategie passte. Und dabei auch nicht davor zurückschreckte, sich der rassistischen Ideologie der Nazis zu bedienen. Jüdische Unternehmen im Ausland, bei denen der Zugriff am einfachsten schien, wurden im Weltkrieg als Erste ins Visier genommen.

Zeigte Günther Quandt niemals Skrupel?

Verglichen mit Robert Bosch, einem sozial denkenden Liberalen und Hitler-Gegner, war Quandt ein skrupelloser Unternehmer. Wenn er Kapital schlagen konnte aus politischen oder militärischen Entwicklungen, war er sofort dabei. Vor allem war er ein geschickter Opportunist, ein Mann, der sich wechselnden Zeitläufen anpassen konnte, der klug und kühl mit jedem Regime zurechtkam, ob mit dem autoritären Kaiserreich, der labilen Weimarer Republik, dem totalitären Dritten Reich oder der jungen Bundesrepublik. Insofern war er, um es mit einer Formel meines Kollegen Lothar Gall über den Bankier Abs zu sagen, „a man for all seasons“.

Opa war kein Nazi
Stefan Quandt, Herberts Sohn: „Opa war kein Nazi!“ (Opa Günther -links- und Vater Herbert Quandt -dritter von rechts- mit ihrem geliebten Führer am Stand der AFA auf der Automobilaustellung 1938 in Berlin)

(…)

Was für ein Mensch ist er gewesen?

Ganz schwer zu sagen: In der Zeit, als er mit seiner zweiten Frau Magda verheiratet ist, der späteren Frau Goebbels, kommt er abends nach Hause und studiert den Berliner Börsenkurier, anstatt sich um seine junge Frau zu kümmern. Etwas anderes gibt es nicht für ihn. Er verkörpert eine extrem einseitige, ganz auf das Wirtschaftlich-Pekuniäre reduzierte Weltsicht. Bei vielen Unternehmern weiß man ja, was sie im Innersten bewegt. Aber was diesen Mann außer Geld bewegt hat, ist mir auch nach vier Jahren Recherche nicht klar. Mein Eindruck ist tatsächlich, dass er für andere Dinge kein Herz gehabt hat.“

Scholtysek spricht von einer „bedingungslosen Beteiligung am Unrecht“.

Auch in den nachfolgenden Generationen der Quandt-Familie scheint ein Organ für moralische Bedenken nicht nachgewachsen zu sein.

Sie sind ebenfalls „geschickte Opportunisten, die kühl und klug mit jedem Regime zurecht“kommen.

Wenn es in der ‚jungen Bundesrepublik‘ darum ging, die ersten Aufträge für Rüstungsproduktion zu erhalten, die Quandts waren an vorderster Front dabei. Sie hatten immer noch nicht die Schnauze voll.

Während andere noch gegen die Wiederbewaffnung der Bundesrepublik demonstrierten, verdienten die Quandts schon wieder daran.

Sie hatten mit der Produktion von Waffen immer glänzende Geschäfte gemacht.
Also:
Triebwerke für Starfighter? Machen wir!
Panzer? Kein Problem!
Minen? Selbstverständlich!
Rolls Royce Triebwerke? Auch das!
Beteiligung am Super Sonic Tarnkappenbomber F22 und F35 der US Air Force? Wir sind dabei!

Ihre Haltung damals und heute: Im Moment machen wir zwar den Löwenanteil unserer Geschäfte mit unserer Premiumklasse, aber wenn sich die Schwerpunkte verlagern:
Wir sind bereit! Hauptsache, die Kohle stimmt!

Den Spuren dieser unmenschlichen Haltung kann man besonders in Berlin folgen.

Unsere Vorschläge für Exkurse (field trips):

Barackenlager Pertrix

Pertrix Niederschöneweide. Das Firmenkonglomerat der Quandts beschäftigte mehr als fünfzigtausend Zwangsarbeiter. KZ-Häftlinge, die bei Pertrix arbeiteten, „aßen vor Hunger das Material, vermischt mit Wasser, aus welchem die Batterien hergestellt wurden“.(Scholtyseck)

Das Haus am Askanischen Platz
Die Firmenzentrale der Quandts am Askanischen Platz 3 (heute „Tagesspiegel“), von der aus Herbert Quandt den Nachschub an Zwangsarbeitern orderte, z.B. 20 Personen Nachschub pro Monat für die AFA Hannover Stöcken. (Dort starben nachweislich über 400 Zwangsarbeiter.)

DWM Munition
Deutsche Waffen und Munitionsfabrik Eichborndamm
mit mehreren Zwangsarbeiterlagern, auch in der Schönholzer Heide.

Ley in Spandau
Besuch des Reichsorganisationsleiters Ley im Werk Spandau 1941, damals Flugmotoren, heute Motorräder.
Brandenburgische Motorenwerke (BRAMO) Spandau: „Das Berliner BMW Werk zählt zu den traditionsreichsten Produktionsstandorten der BMW Group. Wie im Münchener Stammwerk begann in Berlin die BMW Geschichte mit dem Bau von Flugmotoren. So entstanden ab 1939 unter anderem hier die Triebwerke der legendären JU 52.“ (die dann u.a. Guernica bombardierten.)
(aus einer BMW Group Mitteilung über „Produktionsstandorte“)

Also, werte Kuratoren!

Macht euch auf den Weg, macht einen ‚field trip‘ zu den Stätten eurer Auftraggeber.

Bleibt, wo der Pfeffer wächst?

Die Entwicklung des Pfefferbergs von einem alternativen Raum für Kiezkultur zu einer Hochburg der Hochkultur.

Ein Märchen aus uralten Zeiten, das geht mir nicht aus dem Sinn…

Kurz vor und nach der Wende, in Zeiten, als das Wünschen noch geholfen hat, kam die Schwalbe aus dem Süden zurück und zwitscherte ihren Freunden, den Kiez-Zwergen, aufgeregt zu, daß der Riese aus dem Westen auf dem Wege gen Osten sei.
Die Zwerge sorgten sich um ihre Hütten und um ihre wesenhafte Kleinigkeit selbst. Da berief der Versammlungszwerg einen großen Ratschlag ein am riesigen Küchentisch der rothaarigen Kiez-Wichtin. Und alle, alle kamen: Auf Förderbändern, Herbstzeitlosen, Sonnenuhren, in Kerngehäusen und manche auch mit der Schneckenpost. Sie tanzten und musizierten, sie spielten mit Puppen und Marionetten, und Jannis, der Griechenwicht, bewirtete alle mit Spanako Tiropita, 2-Spieß-Souflaki und Baklawa.

So tief war ihnen die Furcht ins Herz gefahren.

Da schlug der kleine, langhaarige Wischi-Waschi-Wicht, der nur mit Mühe über die Küchentischkante blicken konnte, vor, sie sollten doch alle, mit Förderbändern, Herbstzeitlosen, Sonnenuhren und mit der Schneckenpost, mit Musik und Tanz, mit Puppen und Marionetten und mit Jannis, dem Griechenwicht, auf den Berg ziehen und alle Türen verrammeln. Und in der größten Not könnten sie in die Kellergewölbe ziehen. Dort würde der Riese aus dem Westen sie sicher nicht entdecken.

Das war ein guter Vorschlag, und sie setzten ihn, wie Wichtel eben sind, sogleich in die Tat um. Sie hämmerten und mauerten und pinselten und gruben, auch Fallen. 61 Wichtel waren sie, wenn man Jannis, den Griechenwicht, den kleinen langhaarigen Wischi-Waschi-Wicht mit der Nase auf der Tischkante und die rothaarigen Kiez-Zwergin und ihren Küchentisch mitzählt, und das muß man ja.

wichtel von köln

Sie waren emsig, und die Zeit verging wie im Fluge. So bemerkten sie nicht, daß der Riese aus dem Westen gar nicht kam.

Der seitwärtslaufende Krebs

Der war nämlich nur bisweilen ein Riese, in der wirklichen Wirklichkeit der Wende-Märchen aber ein Zauberer, mit Schlangen, Teufeln und dem Berliner Filz im Bunde, und hatte sich in einen dicken, fetten Krebs verwandelt.

schlangenbader str.
Autobahnüberbauung Schlangenbader Str. ein sinnloser Bau über einem sinnlosen Autobahnstummel, der nach 2,5 km in einer Wohnstraße endet, ein Projekt von Vater und Sohn Krebs.

„Wenn der Teufel dieser Stadt etwas Böses antun will, lässt er noch einmal so etwas wie die «Schlange» bauen.“

(sagte der ehemalige Regierende Bürgermeister von Berlin Richard von Weizsäcker.)

„Ich bin ein Krebs. Ich helfe euch beim Buddeln“, rief der Krebs und lief seitwärts, um die Wichtel zu verblüffen. „Ich baue für die Welt von Morgen, im Einklang mit der Natur, ökologisch verantwortlich, schonend und nachhaltig. Schaut, ich habe schon eine große, große Schlange gebaut.“

Da klangen den Wichteln die Ohren und sie staunten. Einen Seitwärtsläufer hatten sie noch nie gesehen. Obendrein versprach der Krebs, einen Multiplan und lauter pfeffrige Filetstücke aus dem Berg zu machen, auf daß es dem Riesen den Atem verschlage. Und der seitwärtslaufende Krebs verlangte nur 16,1% x 2 × 2 vom Berg für seine Guttat.

Der Multiplan

So geschah es. Der Krebs machte einen Multiplan, denn das hatte er von seinem Papi und dem grünen Heinrich gelernt, und pfefferte gesalzene Filetstücke.

Und heute läßt ein Millionär auf dem Berg im internationalen Diskurs Englisch (DEnglish) quer labern, ein anderer friert für BMW Autos ein, sicher regenerativ.
eliassons art car
Eliassom friert das „BMW art car“ ein
Ein dritter hat den Biergarten (350 Plätze) privatisiert und grillt auf harzarmer japanischer Holzkohle Filetstücke vom andalusischen Eichelschwein. Ein Sozialkonzern baut ein gemeinnütziges Komödienhaus und vermietet gemeinnützige Apartments in der tariffreien Zone (75 -220 € pro Nacht) der Choriner Str. 37. („small and fine“ oder „King Size“)?
VIA tariffreie Zone

Und ein Autokonzern und ein Kulturkonzern haben die Stadt zuplakatiert mit Fragen an die Wichtel wie: „Warum lächeln wir uns nicht öfter an?“

warum lächeln wir uns...?

Aber da waren die Wichtel schon auf den Euros vom dicken, fetten Krebs ausgeglitten und kantapper, kantapper den Prenzlauer Berg hinab gepurzelt mitsamt dem Mythos.

Und wenn ihr sie suchen wollt, schaut auf der anderen Seite der Erde nach, dort auf den Inseln der Mythen.

y mis manos son lo unico que tengo

Confronting Comfort?

Confronting Comfort lautet das Thema des BMW Guggenheim Lab. Ist das einfach nur weltfremd angesichts der wirtschaftlichen Lage? Oder will man mit dieser Fragestellung kalt und zynisch den wohlhabenden Kundenkreis, das Marktsegment der Premiummarkenkunden ansprechen, weil es eh um „Anspruchsvolles auf höchstem Niveau“ geht?
(BMW-Kulturchef Girst in ‚Kulturmarken‘: „Im Idealfall wird BMW als Förderer derart wahrgenommen, dass man am dezent platzierten Logo auch den hohen Qualitätsanspruch einer Veranstaltung erkennt, unser Firmensignet als Prädikat und Gütesiegel für Anspruchsvolles auf höchstem Niveau versteht.“)
Na klar! Nichts für arme Schlucker!

Arbeitslosigkeit und Staatsverschuldung

Angela Merkel verteilt die Rettungsschirme, die Rotationsmaschinen rattern (nicht wirklich, es ist ja nur aus dem Nichts geschaffenes Fiat-Geld: „Es werde Licht!“), die Staatverschuldung steigt auf über 2 Bilionen € (und nicht nur in Europa). Die Arbeitslosenzahlen steigen (in Spanien und Griechenland beträgt die Jugendarbeitslosigkeit schon 50%) , und das BMW Guggenheim Lab befasst sich mit dem Komfort.

Wie wäre es, wenn sich das BGLab damit nach Madrid begäbe, um die arbeitslosen Jugendlichen mit der Behaglichkeit zu konfrontieren ?

Y mis manos son lo único que tengo
Kundgebung auf der Puerta del Sol

Und es ist ja nicht so, als ob es anderswo in der Welt nicht auch Arbeitslose, Niedriglöhner, die mit Hartz 4 „aufstocken“ müssen, die Generation Praktikum, Leiharbeiter, Immigranten aus Afrika (, die z.B. im südspanischen Gemüseanbaugebiet wie Sklaven gehalten werden), das sogenannte Prekariat gäbe.
Es ist endlos, uferlos, spitzt sich weiter zu, und in Berlin befinden wir uns wahrhaftig nicht auf einer Insel der Seligen.


Y mis manos son lo único que tengo (Und meine Hände sind alles, was ich habe)

sangen Isabel Parra und Victor Jara.
Es ist nur eine Assoziation. Als ich das Bild der leeren, untätigen Hände der im ’sombra‘ stehenden Jugendlichen auf der Puerta del Sol sah, fiel mir das Lied ein:
Und meine Hände sind alles, was ich besitze.
Und meine Hände sind meine Liebe und meine Stütze.

Doch es ist auch mehr als eine Assoziation. Es gibt offensichtliche Verbindungen und Parallelen.
Für dieses und andere Lieder wurden dem chilenischen Sänger Victor Jara seine Hände zertrümmert, bevor er ermordet wurde von den Schergen der von Kissinger und der CIA an die Macht geputschten Militärdiktatur.
Wenn die armen Schlucker aufbegehren und die immensen Profite der Konzerne beschnitten werden, dann wird geschossen. Die USA, die ihren lateinamerikanischen „Vorhof“ gefährdet sahen, schützten mit diesem Putsch vor allem auch die Interessen der US-Kupferkonzerne, die der gewählte Präsident Allende verstaatlichen wollte. Die größte Mine in Chile, „El Teniente“, gehörte lange den Guggenheims. Sie haben das chilenische Volk und die chilenischen Bodenschätze ausgeplündert, solange es eben ging. Von diesem Blutgeld konnte der „selige“ Solomon mit seiner Baroness dann „duftige Frauenportralts von Renoir“ erwerben und die Solomon Guggenheim Foundation gründen, die uns jetzt mit dem Laberatorium belämmert.

Kupferkönige und Philanthropen…
… auf der Basis von Hungerlöhnen und Kugeln für Streikende

In K.West. Das Kunstmagazin des Westens 7/2006 heißt es unter der Überschrift: „Wie aus Kupfer Kunst wurde oder die Saat des sagenhaften Solomon“
„1929 hatte Guggenheim mit dem Aufbau einer eigenen Kunstsammlung begonnen. Der Mann, der als reichster Unternehmer der Vereinigten Staaten und als zweitreichster der Welt galt, hatte Vermögen mit Gold-, Silber-, Diamanten- und vor allem Kupferminen in Alaska, Mexiko, Chile, Bolivien, im Kongo und in Angola gemacht. Bis 1914 kontrollierten Solomon und seine Brüder achtzig Prozent aller globalen Kupfervorkommen. Für ihr Vermögen war die Familie auch über Leichen gegangen, wie die Journalistin Sigrid Faltin in ihrer lesenswerten Rebay- Biografie »Die Baroness und das Guggenheim« beschreibt: »Für ihre größte Kupfermine in Utah warben die Guggenheims in Japan, Ungarn und Griechenland die Ärmsten der Armen an und brachten sie in einer Art ›Konzentrationslager‹ unter, wo die Arbeiter zu Hungerlöhnen das Ihre zu dem sagenumwobenen Reichtum der Guggenheims beitrugen. Als 1912 die sechstausend Minenarbeiter für mehr Lohn streikten, schossen die privaten Sicherheitskräfte der Guggenheims gemeinsam mit der Armee Utahs die Arbeiter nieder.« Gesammelt wurde in der Familienresidenz auf Long Island, was man in jenen Jahren eben so schätzte: duftige Frauenporträts von Renoir und patriotische Geschichtsmotive amerikanischer Realisten.“

solomon und hilla
Frank Lloyd Wright, Hilla Rebay und „Kupferkönig und Philanthrop“ Solomon Guggenheim

Die chilenischen Bergarbeiter, die Wanderarbeiter aus aller Welt in den Minen der Guggenheims, z. B. in Utah und Kennecott/Alaska, sie alle hatten keine Komfort-Probleme. Die Zwangsarbeiter bei BMW und in den Betrieben der Quandts hatten keine Komfort-Probleme.

Die arbeitslose Jugend heute hat keine Komfortprobleme. Die in Arbeit stehenden, die ihren geringen Lohn mit Hartz 4 „aufstocken“ müssen, haben keine Komfort-Probleme. Die mit Werkverträgen abgespeisten BMW-Arbeiter haben keine Komfortprobleme.
Derlei Probleme sind nicht die der großen Mehrheit der Bevölkerung in den ‚Megacities‘.
Das sind „Probleme“ der Quandts und der Guggenheims, die nicht wissen, wohin mit ihrem unermesslichen Reichtum. Und das schon viel zu lange!



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