Tschüss BMW-Gentrifizierungs-Lab!

Wie verschiedene Zeitungen übereinstimmend berichten, ist das am Spreeufer in Kreuzberg geplante BMW-Gentrifizierungs-Lab abgesagt. Es soll nun geschaut werden, ob das „Lab“ vielleicht doch, wie ursprünglich geplant, nach Prenzlberg geht, oder sogar überhaupt nicht nach Berlin kommt.

Wir finden diese Entwicklung super, und sehen hier auch einen guten Beginn für die Verhinderung der mittelfristig geplanten Luxus-Bebauung auf dem Spreeufer-Grundstück Cuvrystraße Ecke Schlesische Straße durch den neuen Eigentümer und Luxus-Bau-Spezialisten „Ritter Finest Real Estate“.

Lasst uns die Absage des „Lab“ gemeinsam feiern! Vielleicht gibt die Niederlage von BMW sogar der doch etwas darnieder liegenden Bewegung „MediaSpree versenken“ neuen Auftrieb? Schön wäre es, notwendig wohl auch! Bleiben noch Daimler Benz, Anschutz, Coca Cola…

Einige Berichte über die Absage des „Lab“ wollen wir uns näher anschauen.

Die Berliner Zeitung berichtet ausgesprochen sachlich unter dem Titel „Kreuzberg vergrault Guggenheim“ und lässt auch die GegnerInnen von steigenden Mieten, Spreeufer-Bebauung und Gentrifizierungs-Labs ausführlich zu Wort kommen.

Ganz anders der Tagesspiegel in einem wutschäumenden Artikel unter der Überschrift „Linksextremisten vertreiben Guggenheim aus Kreuzberg“.
„Die New Yorker Guggenheim-Stiftung sagt einen in Kreuzberg geplanten Openair-Lab nach Drohungen ab. „Diese Chaoten sind ein Standortrisiko für Berlin“, sagte Innensenator Henkel… Zum ersten Mal kapituliert damit ein renommiertes Projekt vor den Protesten von Linksextremisten… Hintergrund der Absage sind die zahlreichen Gewaltandrohungen der linken Szene gegen das Lab…“

„Das Landeskriminalamt hat Ende der vergangenen Woche die Gefahren abgeschätzt, die dem Projekt drohen. In der Analyse heißt es, dass Sachbeschädigungen zu erwarten seien, falls die Organisatoren nicht für einen ständigen Wachschutz sorgen würden. Zudem sei zu befürchten, dass Aktivisten Veranstaltungen stören könnten… “

„Der linksextremen Szene passt die Art der Ideensuche, die in dem Lab betrieben werden sollte, nicht… “

„Innensenator Frank Henkel (CDU) nannte den möglichen völligen Rückzug einen „Verlust für Berlin“. Es sei „beunruhigend“, aus welchen Gründen das Projekt in Kreuzberg abgesagt sei: „Diese Chaoten sind ein Standortrisiko für Berlin“. Auch Kreuzbergs Bürgermeister Franz Schulz (Grüne) bedauert das mögliche Aus: „Das Lab ist ein Gewinn für die Stadt“, sagt er – gerade weil dort auch kritische Stimmen beim Thema Stadtentwicklung einbezogen werden sollten. Schulz sprach von einem „Einknicken“ vor Gewalttätern, dies sei „falsch“. „

Das der „Tagesspiegel“ hier so schäumt, könnte auch damit zu tun haben, daß der Tagesspiegel-Chefredakteur Stephan-Andreas Casdorff im Kuratorium der neoliberalen BMW-Quandt-Stiftung sitzt und also selbst durch diese Niederlage von BMW betroffen ist. Die Ausfälle des Bürgermeisters Schulz, der zwar blind gegenüber den steigenden Mieten in Kreuzberg ist, dafür aber extremistische „Gewalttäter“ halluziniert, sind in ihrer Schärfe und Unreflektiertheit doch überraschend. Vielleicht ist das einfach nur ein weiterer Schritt der Grünen zur Annäherung an Henkel und die Möglichkeiten einer schwarzgrünen Koalition in Berlin?

Daß Schulz spinnt, soll unsere Freude über den Rückzug von BMW allerdings nicht stören. Weitere Pressemeldungen:

rbb: Guggenheim sagt Projekt in Kreuzberg ab
Kölnische Rundschau: Angst vor Gewalt – herber Schlag: Guggenheim sagt Projekt in Berlin ab
Morgenpost: Autonome vertreiben Guggenheim aus Kreuzberg
Focus: Gewaltdrohungen gegen Guggenheim – Museum sagt Projekt in Berlin Kreuzberg ab
Welt: Vandalismus-Drohung: Linksextreme vertreiben Guggenheim aus Kreuzberg

Die Liste könnte fortgesetzt werden, im Netz ist das einfach zu finden.

Tschüss BMW-Gentrifizierungs-Lab!