BMW im Prenzlberg? Nee!

Pressemitteilung der Initiative „BMW Lab verhindern!“

Wie verschiedene Zeitungen übereinstimmend berichten, soll das „BMW-Lab“ jetzt endgültig nach Prenzlberg in den Pfefferberg kommen und dort erst drei Wochen später als geplant eröffnen. Wir bezweifeln allerdings sehr, daß das BMW-“Lab“ auch in Prenzlberg ohne Proteste über die Bühne gehen wird.

Entgegen aller Behauptungen, dies sei schon immer vorgesehen gewesen, ist übrigens die sogenannte „Gentrifizierung“, also die explodierenden Mieten in der Berliner Innenstadt und die damit verbundene Verdrängung von Menschen mit geringen Einkommen, bislang als Thema im „Lab“ nicht vorgesehen gewesen und soll nun – so wird behauptet – kurzfristig ins Programm aufgenommen werden. Weiterhin nicht vorgesehen als Themen im Programm sind die die Herkunft des BMW/Quandt-Kapitals aus Arisierungen und Zwangsarbeit sowie die aktuellen Konflikte um Ausbeutung durch Leiharbeit und sogenannte „Werksverträge“ in vielen BMW-Werken.

David Kaufmann: „Wir werden jedoch diesen Themen einen Ort vor dem Lab, ums Lab herum und auch im Lab selbst zu verschaffen wissen, und werden dafür nicht erst um die Erlaubnis der Eigentümer fragen. Selbst wenn das BMW-Lab im Juni eröffnet, könnte es noch spannend werden. Wie werden die Lab-Betreiber reagieren, wenn im Lab die Diskussionsveranstaltung zur BMW-Eigentümerfamlie Quandt und deren Schweigen zur Vergangenheit stattfindet? Wie werden sie reagieren, wenn Menschen, die sich die gestiegenen Mieten in der Berliner Innenstadt nicht mehr leisten können, das „Lab“ als neuen Wohnort sich aneignen? Wie wird BMW damit umgehen, wenn der Zusammenhang zwischen aktueller Ausbeutung im Leipziger BMW-Werk und den 4,9 Milliarden Euro Profit thematisiert wird, die BMW letztes Jahr erzielt hat?

Kaufmann weiter: „Wenn Konzerne wie BMW die ganze Zeit von „sozialer Verantwortung“ schwafeln, und man dann mitkriegt, wie sie nicht nur mit den Nazis gute Geschäfte gemacht haben, im Südafrika unter der Apartheid die Profite maximiert haben und heute auf wissenschaftliche und systematische Weise versuchen (und auch schaffen), wie im BMW-Werk Leipzig durch Werkverträge nicht nur die Löhne auf ein Armutsniveau zu drücken, sondern auch die ArbeiterInnen in einen dermaßen unsicheren Rechtsstatus zu versetzen, daß sich niemand mehr traut, zu protestieren; wenn dann noch ein Wowereit daher kommt und diesem Dreckskonzern den roten Teppich auslegen möchte und sich jede Kritik daran verbittet; wenn die Presse in großen Teilen das verlogene Geschwafel von der guten sozialen Verantwortung des Groß-Konzerns BMW und den intoleranten, rückwärtsgewandten, gewalttätigen KritikerInnen übernimmt: dann kotzt das einen ganz schön an, und man möchte gerne das nächste Image-Projekt dieses Mist-Konzerns, und sei es auch ein Scheiß-BMW-Lab, in Stücke schlagen; und die herrschende Politik zum Teufel jagen, und den größten Teil der herrschenden Medienmacht hinterher.“

Folgende Themen schlagen wir als Diskussionspunkte im sogenannten „Lab“ vor. Natürlich werden wir ggf. BMW nicht um Erlaubnis fragen, sondern uns den Ort und die Zeit nehmen, die wir brauchen.

Block 1: „Quandt und BMW: Woher kommt die Knete?“

+++ Die Herkunft des BMW/ Quandt-Vermögens aus Zwangsarbeit und Arisierungen
+++ „Das Schweigen der Quandts“: Video und Diskussion mit dem gleichnamigen Film
+++ „Wir sollten lernen das zu vergessen“ – Schuld-Abwehr und Verdrängung am Beispiel von Sven Quandt, Erbe eines durch Zwangsarbeit etc. zustande gekommenen Milliarden-Vermögens
+++ „Die Quandts und die Macht“ – Diskussion über den Einfluss des Groß-Kapitals auf die herrschende Politik am Beispiel der „reichsten Familie Deutschlands“ (NDR)
+++ „Hohe Profite und keine Rechte – BMW im Südafrika unter der Apartheid“ – Diskussion
+++ Aktuelle Strategien von Lohndumping und der Umgehung von ArbeiterInnen-Rechten – Diskussion am Beispiel des BMW-Werkes in Leipzig

Block 2: „Wem gehört die Stadt?“

+++ Berlin unter Wowereit: explodierende Mieten, Wohnungs-Privatisierungen und die Folgen
+++ Ganz unten? Diskussion der aktuellen Verdrängung von Hartz IV-BezieherInnen aus der Teilhabe am gesellschaftlichen Leben und der Berliner Innenstadt
+++ Zwangsumzüge und Hartz IV: was war, was kommt, wie kann gemeinsamer Widerstand aussehen?
+++ Mieterhöhung, Luxussanierung, Kündigung? Wirksame Strategien gegen die Schikanen der Immobilien-Gesellschaften und HauseigentümerInnen
+++ Tacheles, Schokoladen, KvU, Linie 206 – Räumungsbedrohte Projekte in Mitte und Prenzlauer Berg
+++ „Wohnungslos: was nun“ – Diskussion: Besetzung von Leerstand als mögliche Strategie gegen drohende oder bestehende Obdachlosigkeit und Verdrängung?
+++ „Kostbares Nass“: Unser Trinkwasser in den Händen von profithungrigen Privatkonzernen
+++ „Einfach mal draufschlagen“ – Polizeigewalt in Berlin als direktes Mittel der Verdrängung unerwünschter Menschen mit geringem Einkommen
+++ „Überwachen und Strafen“ – moderne Kamera-Überwachung als Mittel der gesellschaftlichen Disziplinierung

Initiative „BMW Lab verhindern!“, Berlin, 4.4.12

(Das obenstehende Bild – Groß-Transpi gegen das Lab in unmittelbarer Nähe des geplanten neuen Standortes Pfefferberg – kann frei verwendet werden und ist hier in in Druckqualität zu finden.)