Archiv für Juni 2012

Bleibt, wo der Pfeffer wächst?

Die Entwicklung des Pfefferbergs von einem alternativen Raum für Kiezkultur zu einer Hochburg der Hochkultur.

Ein Märchen aus uralten Zeiten, das geht mir nicht aus dem Sinn…

Kurz vor und nach der Wende, in Zeiten, als das Wünschen noch geholfen hat, kam die Schwalbe aus dem Süden zurück und zwitscherte ihren Freunden, den Kiez-Zwergen, aufgeregt zu, daß der Riese aus dem Westen auf dem Wege gen Osten sei.
Die Zwerge sorgten sich um ihre Hütten und um ihre wesenhafte Kleinigkeit selbst. Da berief der Versammlungszwerg einen großen Ratschlag ein am riesigen Küchentisch der rothaarigen Kiez-Wichtin. Und alle, alle kamen: Auf Förderbändern, Herbstzeitlosen, Sonnenuhren, in Kerngehäusen und manche auch mit der Schneckenpost. Sie tanzten und musizierten, sie spielten mit Puppen und Marionetten, und Jannis, der Griechenwicht, bewirtete alle mit Spanako Tiropita, 2-Spieß-Souflaki und Baklawa.

So tief war ihnen die Furcht ins Herz gefahren.

Da schlug der kleine, langhaarige Wischi-Waschi-Wicht, der nur mit Mühe über die Küchentischkante blicken konnte, vor, sie sollten doch alle, mit Förderbändern, Herbstzeitlosen, Sonnenuhren und mit der Schneckenpost, mit Musik und Tanz, mit Puppen und Marionetten und mit Jannis, dem Griechenwicht, auf den Berg ziehen und alle Türen verrammeln. Und in der größten Not könnten sie in die Kellergewölbe ziehen. Dort würde der Riese aus dem Westen sie sicher nicht entdecken.

Das war ein guter Vorschlag, und sie setzten ihn, wie Wichtel eben sind, sogleich in die Tat um. Sie hämmerten und mauerten und pinselten und gruben, auch Fallen. 61 Wichtel waren sie, wenn man Jannis, den Griechenwicht, den kleinen langhaarigen Wischi-Waschi-Wicht mit der Nase auf der Tischkante und die rothaarigen Kiez-Zwergin und ihren Küchentisch mitzählt, und das muß man ja.

wichtel von köln

Sie waren emsig, und die Zeit verging wie im Fluge. So bemerkten sie nicht, daß der Riese aus dem Westen gar nicht kam.

Der seitwärtslaufende Krebs

Der war nämlich nur bisweilen ein Riese, in der wirklichen Wirklichkeit der Wende-Märchen aber ein Zauberer, mit Schlangen, Teufeln und dem Berliner Filz im Bunde, und hatte sich in einen dicken, fetten Krebs verwandelt.

schlangenbader str.
Autobahnüberbauung Schlangenbader Str. ein sinnloser Bau über einem sinnlosen Autobahnstummel, der nach 2,5 km in einer Wohnstraße endet, ein Projekt von Vater und Sohn Krebs.

„Wenn der Teufel dieser Stadt etwas Böses antun will, lässt er noch einmal so etwas wie die «Schlange» bauen.“

(sagte der ehemalige Regierende Bürgermeister von Berlin Richard von Weizsäcker.)

„Ich bin ein Krebs. Ich helfe euch beim Buddeln“, rief der Krebs und lief seitwärts, um die Wichtel zu verblüffen. „Ich baue für die Welt von Morgen, im Einklang mit der Natur, ökologisch verantwortlich, schonend und nachhaltig. Schaut, ich habe schon eine große, große Schlange gebaut.“

Da klangen den Wichteln die Ohren und sie staunten. Einen Seitwärtsläufer hatten sie noch nie gesehen. Obendrein versprach der Krebs, einen Multiplan und lauter pfeffrige Filetstücke aus dem Berg zu machen, auf daß es dem Riesen den Atem verschlage. Und der seitwärtslaufende Krebs verlangte nur 16,1% x 2 × 2 vom Berg für seine Guttat.

Der Multiplan

So geschah es. Der Krebs machte einen Multiplan, denn das hatte er von seinem Papi und dem grünen Heinrich gelernt, und pfefferte gesalzene Filetstücke.

Und heute läßt ein Millionär auf dem Berg im internationalen Diskurs Englisch (DEnglish) quer labern, ein anderer friert für BMW Autos ein, sicher regenerativ.
eliassons art car
Eliassom friert das „BMW art car“ ein
Ein dritter hat den Biergarten (350 Plätze) privatisiert und grillt auf harzarmer japanischer Holzkohle Filetstücke vom andalusischen Eichelschwein. Ein Sozialkonzern baut ein gemeinnütziges Komödienhaus und vermietet gemeinnützige Apartments in der tariffreien Zone (75 -220 € pro Nacht) der Choriner Str. 37. („small and fine“ oder „King Size“)?
VIA tariffreie Zone

Und ein Autokonzern und ein Kulturkonzern haben die Stadt zuplakatiert mit Fragen an die Wichtel wie: „Warum lächeln wir uns nicht öfter an?“

warum lächeln wir uns...?

Aber da waren die Wichtel schon auf den Euros vom dicken, fetten Krebs ausgeglitten und kantapper, kantapper den Prenzlauer Berg hinab gepurzelt mitsamt dem Mythos.

Und wenn ihr sie suchen wollt, schaut auf der anderen Seite der Erde nach, dort auf den Inseln der Mythen.

y mis manos son lo unico que tengo

Confronting Comfort?

Confronting Comfort lautet das Thema des BMW Guggenheim Lab. Ist das einfach nur weltfremd angesichts der wirtschaftlichen Lage? Oder will man mit dieser Fragestellung kalt und zynisch den wohlhabenden Kundenkreis, das Marktsegment der Premiummarkenkunden ansprechen, weil es eh um „Anspruchsvolles auf höchstem Niveau“ geht?
(BMW-Kulturchef Girst in ‚Kulturmarken‘: „Im Idealfall wird BMW als Förderer derart wahrgenommen, dass man am dezent platzierten Logo auch den hohen Qualitätsanspruch einer Veranstaltung erkennt, unser Firmensignet als Prädikat und Gütesiegel für Anspruchsvolles auf höchstem Niveau versteht.“)
Na klar! Nichts für arme Schlucker!

Arbeitslosigkeit und Staatsverschuldung

Angela Merkel verteilt die Rettungsschirme, die Rotationsmaschinen rattern (nicht wirklich, es ist ja nur aus dem Nichts geschaffenes Fiat-Geld: „Es werde Licht!“), die Staatverschuldung steigt auf über 2 Bilionen € (und nicht nur in Europa). Die Arbeitslosenzahlen steigen (in Spanien und Griechenland beträgt die Jugendarbeitslosigkeit schon 50%) , und das BMW Guggenheim Lab befasst sich mit dem Komfort.

Wie wäre es, wenn sich das BGLab damit nach Madrid begäbe, um die arbeitslosen Jugendlichen mit der Behaglichkeit zu konfrontieren ?

Y mis manos son lo único que tengo
Kundgebung auf der Puerta del Sol

Und es ist ja nicht so, als ob es anderswo in der Welt nicht auch Arbeitslose, Niedriglöhner, die mit Hartz 4 „aufstocken“ müssen, die Generation Praktikum, Leiharbeiter, Immigranten aus Afrika (, die z.B. im südspanischen Gemüseanbaugebiet wie Sklaven gehalten werden), das sogenannte Prekariat gäbe.
Es ist endlos, uferlos, spitzt sich weiter zu, und in Berlin befinden wir uns wahrhaftig nicht auf einer Insel der Seligen.


Y mis manos son lo único que tengo (Und meine Hände sind alles, was ich habe)

sangen Isabel Parra und Victor Jara.
Es ist nur eine Assoziation. Als ich das Bild der leeren, untätigen Hände der im ’sombra‘ stehenden Jugendlichen auf der Puerta del Sol sah, fiel mir das Lied ein:
Und meine Hände sind alles, was ich besitze.
Und meine Hände sind meine Liebe und meine Stütze.

Doch es ist auch mehr als eine Assoziation. Es gibt offensichtliche Verbindungen und Parallelen.
Für dieses und andere Lieder wurden dem chilenischen Sänger Victor Jara seine Hände zertrümmert, bevor er ermordet wurde von den Schergen der von Kissinger und der CIA an die Macht geputschten Militärdiktatur.
Wenn die armen Schlucker aufbegehren und die immensen Profite der Konzerne beschnitten werden, dann wird geschossen. Die USA, die ihren lateinamerikanischen „Vorhof“ gefährdet sahen, schützten mit diesem Putsch vor allem auch die Interessen der US-Kupferkonzerne, die der gewählte Präsident Allende verstaatlichen wollte. Die größte Mine in Chile, „El Teniente“, gehörte lange den Guggenheims. Sie haben das chilenische Volk und die chilenischen Bodenschätze ausgeplündert, solange es eben ging. Von diesem Blutgeld konnte der „selige“ Solomon mit seiner Baroness dann „duftige Frauenportralts von Renoir“ erwerben und die Solomon Guggenheim Foundation gründen, die uns jetzt mit dem Laberatorium belämmert.

Kupferkönige und Philanthropen…
… auf der Basis von Hungerlöhnen und Kugeln für Streikende

In K.West. Das Kunstmagazin des Westens 7/2006 heißt es unter der Überschrift: „Wie aus Kupfer Kunst wurde oder die Saat des sagenhaften Solomon“
„1929 hatte Guggenheim mit dem Aufbau einer eigenen Kunstsammlung begonnen. Der Mann, der als reichster Unternehmer der Vereinigten Staaten und als zweitreichster der Welt galt, hatte Vermögen mit Gold-, Silber-, Diamanten- und vor allem Kupferminen in Alaska, Mexiko, Chile, Bolivien, im Kongo und in Angola gemacht. Bis 1914 kontrollierten Solomon und seine Brüder achtzig Prozent aller globalen Kupfervorkommen. Für ihr Vermögen war die Familie auch über Leichen gegangen, wie die Journalistin Sigrid Faltin in ihrer lesenswerten Rebay- Biografie »Die Baroness und das Guggenheim« beschreibt: »Für ihre größte Kupfermine in Utah warben die Guggenheims in Japan, Ungarn und Griechenland die Ärmsten der Armen an und brachten sie in einer Art ›Konzentrationslager‹ unter, wo die Arbeiter zu Hungerlöhnen das Ihre zu dem sagenumwobenen Reichtum der Guggenheims beitrugen. Als 1912 die sechstausend Minenarbeiter für mehr Lohn streikten, schossen die privaten Sicherheitskräfte der Guggenheims gemeinsam mit der Armee Utahs die Arbeiter nieder.« Gesammelt wurde in der Familienresidenz auf Long Island, was man in jenen Jahren eben so schätzte: duftige Frauenporträts von Renoir und patriotische Geschichtsmotive amerikanischer Realisten.“

solomon und hilla
Frank Lloyd Wright, Hilla Rebay und „Kupferkönig und Philanthrop“ Solomon Guggenheim

Die chilenischen Bergarbeiter, die Wanderarbeiter aus aller Welt in den Minen der Guggenheims, z. B. in Utah und Kennecott/Alaska, sie alle hatten keine Komfort-Probleme. Die Zwangsarbeiter bei BMW und in den Betrieben der Quandts hatten keine Komfort-Probleme.

Die arbeitslose Jugend heute hat keine Komfortprobleme. Die in Arbeit stehenden, die ihren geringen Lohn mit Hartz 4 „aufstocken“ müssen, haben keine Komfort-Probleme. Die mit Werkverträgen abgespeisten BMW-Arbeiter haben keine Komfortprobleme.
Derlei Probleme sind nicht die der großen Mehrheit der Bevölkerung in den ‚Megacities‘.
Das sind „Probleme“ der Quandts und der Guggenheims, die nicht wissen, wohin mit ihrem unermesslichen Reichtum. Und das schon viel zu lange!

Makey Makey Banana Piano

Alles Banane?

alles banane
Allmählich scheint sich das BMW Guggenheim Lab von selbst zu erledigen.
In den Berichten mehren sich die Glossen. Außer den Regierenden und anderen Premiumklasse-Fahrern nimmt kaum jemand diese Veranstaltung noch ernst, uns ausgenommen natürlich. Wir sind ja auch verbissen. Genau wie die Polizei, die in schöner Regelmäßigkeit in Kompaniestärke aufkreuzt, um die Makey-Makey-Bananen und anderes Pillepalle vor dem Verderben zu schützen, zuletzt am
Polizei am 21.6.12
21.6.2012 zur Fête de la Musique.

„PR English, asking the wrong qestions and the festivalisation of urban planning“ schreibt Jana Perkovic in ihrem Blog Guerilla Semiotics

Und heute haben wir uns amüsiert über Cedric zu Guttenberg, den Redaktionspraktikanten des ‚Tagesspiegels‘:

Futurologen wie wir

Stefan Stuckmann zeichnet auf, wie unser Redaktionspraktikant Cedric zu Guttenberg die Stadt erlebt.

„Ich muss Sie gleich vorwarnen: Ich bin heute bis in die Haarspitzen inspiriert mit Ideen für die Zukunft des urbanen Lebens. Wahnsinn, was hier im BMW Guggenheim Lab abgeht! Mein Jungdackel Taxi und ich haben uns extra drei Urlaubstage genommen, weil wir gleich nach der Eröffnung das Gefühl hatten, dass man hier echt was bewegen kann. Gerade auch global gesehen und so.

Im Vorfeld wurde ja viel gestritten über das Lab und seinen Standort, aber wer jetzt seinen Farbbeutel mal für einen Moment aus der Hand legt und einen Blick in das Programm wirft, der merkt sofort: Das Guggenheim Lab passt in den Prenzlauer Berg wie die Faust auf’s Auge! Gleich am ersten Tag lernen Taxi und ich, wie man aus einem alten DJ-Pult und einer Diskokugel einen solaren Kaffeeröster baut.

Was eben noch ein dichtgemachter Club war, wird so im Nu zur gefragten Espresso-Bar. Wachstum, aber nachhaltig!

Keine Frage deshalb, dass Taxi und ich auch das umfangreiche Sportprogramm wahrnehmen. Zusammen mit „Weekend Warrior“ Arne Schönfeld bauen wir aus sechs Bionade-Kästen und einem Vollkorn-Baguette unser eigenes Outdoor-Gym, danach geht es raus auf die Kastanienallee zur Streetfitness. Taxi übt Klimmzüge am Außenspiegel eines Hybrid-Toyotas, während ich an der Vorderachse eines Kinderwagens Sit-ups mache.

Kurz den Trainer abgeklatscht und dann schnell zurück ins Lab, denn hier geht jetzt das Roboter-Seminar los. Taxis Milchzähne halten den Lötkolben fest umschlossen, während ich ihm die Platine hinhalte. Mit etwas Blech und einem alten Handy wollen wir eines der großen Berliner Probleme lösen. Unsere Idee: der elektrische Gymnasiallehrer. Doch kaum drückt Taxi die 9-Volt-Batterie in das versteckte Fach unter dem Cordsakko, zucken grelle Blitze aus unserem e-Pädagogen. Diagnose: Burn-out. Da waren wir einfach zu nah dran am Original. Enttäuscht lässt Taxi die Ohren hängen.

Aber so ist das halt im Leben: Was nützen einem die besten Ideen und ein gesunder Körper, wenn die Seele nicht in Ordnung ist? Doch auch hierfür hat das Guggenheim Lab eine Antwort. Taxi und ich sind schon von Haus aus große Anhänger asiatischer Entspannungstechniken, allen voran gebackene Banane und Super Mario Kart. Am Pfefferberg haben wir jetzt auch mal Qi Gong probiert und ich muss sagen: Wenn man das irgendwo macht, wo die Frauen zehn Jahre jünger sind, hat das durchaus Potenzial.“

Hochachtungsvoll,

Ihr Cedric zu Guttenberg

Das Bananen-Piano funktioniert mit dem Makey Makey-Bausatz. Die Platinen kann man in alles stecken, wenn es nur feucht genug ist. Deshalb müssen die Bananen reif sein. Und jetzt verstehen wir auch, was die Forscher vom Massachusetts Institute of Technology (MIT), die den Sensoren-Teil des BMW Guggenheim Lab-Programms betreiben, wollen:

Sie wollen die Stadt durch Anlegen von Feuchtbiotopen lebenswerter machen.

Wie sagte doch der MIT-Professor und Feuchtbiotop-Spezialist Carlo Ratti, der uns mit seinem „Senseable City Lab“ hier noch beglücken wird:
»Als Menschen wollen wir immer noch die alten Sachen: uns anfreunden, uns treffen, paaren und gute ökologische Bedingungen schaffen«

Als Menschen wollen wir das sicher unter anderem, aber Carlo Ratti befasst sich ja mehr mit den Sensoren, mit den Smartphones auf Android-Basis, (und ‚android‘ heißt bekanntlich menschenförmig. Es geht um den ‚Homunkulus‘, den künstlichen Menschen) mit den Flugrobotern, den kleinen Drohnen, die die Stadt überwachen. „The City is talking back“ sagt Ratti. Aber es ist nicht die Stadt, sondern es sind die von ihm und anderen Technokraten installierten Sensoren, die zu uns „sprechen“.

Für uns ist das eine Horrorvision und alles andere als erstrebenswert.

Wir haben auch nicht vergessen, was das MIT (Massachusetts Institute of Technology) ist:
„Nach dem 2. Weltkrieg, in dem das MIT zur Entwicklung der Radartechnik beitrug, stieg das Ansehen des MIT weiter an. Das Wettrüsten und die Raumfahrt in der Zeit des kalten Krieges erzeugten eine staatlich geförderte Nachfrage nach Hochtechnologie. Bekannt wurde das MIT auch durch den Digitalrechner Whirlwind, der dort von 1944 bis 1952 unter der Leitung von Computerpionier Jay Wright Forrester entwickelt und gebaut wurde.

Weitere Entwicklungen aus den MIT-Labors der Nachkriegszeit waren der Ferrit-Kernspeicher sowie die automatische Raumsondensteuerung des Apollo-Programms. Seit dem Aufkommen des Personal Computers hat das MIT auch eine zentrale Rolle in den Schlüsseltechnologien des Informationszeitalters besetzt.“(aus Wikipedia)
Das MIT war immer auch vom Militär finanziert und z.B. an der Entwicklung der Atombombe beteiligt. Ihr früherer Vizepräsident Vannevar Bush leitete die Verwaltung des Manhattan Projects zum Bau der Atombombe und befürwortete den Abwurf von Atombomben auf japanische Städte.
In dieser Tradition befindet sich das MIT auch heute, und darüber können Signore Rattis Spielereien nicht hinwegtäuschen, der im übrigen auch mit dem MIT Ares Lab zusammenarbeitet, das sich vor allem der Entwicklung von Flugrobotern, Drohnen und anderen „Aerospace Systems“ widmet.
Carlo Ratti and Emilio Frazzoli (Leiter des MIT Ares Lab), take care, we‘re watching you!

„Es fließen ineinander Traum und Wachen, Wahrheit und Lüge. Sicherheit ist nirgends. Wir wissen nichts von anderen, nichts von uns. Wir spielen immer, wer es weiß, ist klug.“

(Arthur Schnitzler)

Confronting Comfort


Thema des ersten zweijährigen Zyklus des BMW Guggenheim Lab ist Confronting Comfort.

„Ideen für die Großstadt. In New York, Berlin und Mumbai sucht das Lab nach Möglichkeiten, Städte für die Menschen lebenswerter zu gestalten, und erforscht, wie das Verlangen nach modernem Komfort und die dringende Notwendigkeit ökologischer und sozialer Verantwortung in Einklang gebracht werden können.

Wie würden Sie den Komfort der Stadt verbessern?“ wird im Programm des BGLab gefragt.

Einige Berliner hatten da eine Idee und bemühten sich, dem BMW Guggenheim Lab bei der Beantwortung dieser Frage hilfreich zur Seite zu stehen. Ihren bescheidenen Englisch-Kenntnissen mag es geschuldet sein, daß sie „confronting“ nicht mit „verbessern“ übersetzten. In ihrem veralteten Wörterbuch stand da „improve“.

Und weil sich an der ersten geführten Radtour des BGLab durch die Stadt laut Berliner Zeitung („Bau den Boxsack“) nur 14 Menschen beteiligten und sie der Führung der britisch-australischen Radler-Expertin Rachel Smith nicht recht vertrauten, machten sich am Montag

rachel smith
Die Radler-Expertin des BMW-GuggenheimLabs
etliche Berliner Fahrrad-Desperados auf den Weg, um die versammelten Immobilienhaie mit ihrer Behaglichkeit zu konfrontieren.

Jahrestagung der Immobilienwirtschaft

Die hatten sich auf der „Jahrestagung der Immobilienwirtschaft“ des Handelsblattes im Ritz Carlton am Potsdamer Platz gemäß dem Motto „Krisenzeiten sind Immobilienzeiten“ den Pickel am Hals darüber zerbrochen, wie steigende Zinsen ihre Rendite schmälern würden. Anschließend wollten sie sich in der Kulturbrauerei zum Dinieren einfinden. Eingeladen hatte die TLG Immoblien (Motto: „Stark im Osten“), die auch die Kulturbrauerei vermarktet und dort gerade Räume an Gravis, den größten Apple-Händler Berlins, vermietet hat.

Die Fahrrad-Desperados und Straßenmusikanten hatten auch noch ein lustiges Spiel dafür entwickelt. Das heißt „Fang den Bus!“ Und darin saßen sie tatsächlich, die Immobilien-Fuzzies, von den gleichen Politikern hofiert und den gleichen Polizisten geschützt, die das BMWGuggenheimLab hofieren und schützen gegen Farbbeutel und schwere Körperverletzung durch Wasserpistolen.

„In Erwägung, dass da Häuser stehen
während ihr uns ohne Bleibe laßt
haben wir beschlossen, jetzt dort einzuziehen
weil es uns in uns´ren Löchern nicht mehr paßt“.

schrieb Brecht vor 80 Jahren.

Uns paßt es in unseren Löchern und wir wollen dort bleiben und nicht mit dem Komfort von Premium-Marken und einer Form von Aufwertung konfrontiert werden, die uns vertreiben soll und nur der Rendite einer kleinen radikalen Minderheit dient.
Mr. Armstrong, der Direktor der Guggenheim-Foundation, sagte bei der Eröffnung des BMW Guggenheim Lab: „I think, it’s interesting when people begin to protect status quo.“

Was für ein Schmarren!
Natürlich kann man so blöd daherschwätzen, wenn man sich um Mieten nicht sorgen muß und in Abu Dhabi von den Ölscheichs Museen

Guggenheim abu dhabi
Das Guggenheim-Museum in Abu Dhabi, das 2013 fertiggestellt sein soll.

bauen läßt. Und dann kann man sich auch mit einer Witzfigur wie Wowereit verbünden, dem höhere Mieten nur ein Zeichen höherer Kaufkraft sind.

Hochsicherheitstrakt BMW Guggenheim-Lab

Polizei-Aufmarsch

Einen solchen Aufmarsch hat der Teutoburger Platz lange nicht mehr erlebt.
Anlaß war die Kundgebung gegen das BMW Guggenheim Lab und die geplante Feier von Anwohnern und der Kirche von Unten auf dem Teute.
Kundgebung
27 Polizeifahrzeuge unterschiedlichster Farbe und Bauart zählten Papa M. und seine Tochter ohne Anspruch auf Vollständigkeit.
Polizei-Aufmarsch am 16.6.
Christinenstr. am Eingang zum Pfefferberg
Polizie in der Christinenstr.
Christinenstr. weiter unten
Poliei in der Fehrbelliner
In der Fehrbelliner Sr. vor‘m Nachbarschaftshaus
Polizeihunde vor der Herz-Jesu-Kirche
Gefangenentransporter für Polizeihunde vor der „Fehre“

Die Gäste aus Dresden und dem Mansfelder Land. die eine Jugendweihe auf dem Teutoburger Platz feierten, erfuhren eine Rundum-Sicherheit wie noch nie in ihrem Leben. Aufmerksam geworden, spazierten sie dann zum Beine Vertreten die 100m zum BMW Guggenheim Lab hinüber.

Ausgerechnet Bananen…

Als sie sich durch all die „Wannen“ hindurchgequetscht hatten, staunten sie nicht schlecht: „Ein Bananenklavier gibt es bei uns im Mansfelder Land nicht“, sagte die eine Cousine zu der anderen aus Dresden: „Ei verbibbsch! Nizuglom!“

Allerdings verknüpfte sich damit auch ein ungutes Gefühl an die Bananen von gestern, an Kohls Wende-Bananen.

Bananen-freiheit

Anwohner-Fest verboten

Dennoch fühlten sie sich sichtlich wohl bei uns im Kiez, obwohl sie es bedauerten, am Fest „25 Jahre KvU“ (Kirche von Unten)

KvU

auf dem Teutoburger Platz nicht teilnehmen zu können, weil die Polizei es verbot, vermutlich wegen der Schokokuss-Wurfmaschine, die mit auf dem Programm stand und das BMWGuggenheimLab hätte gefährden können.

Auch das grüne Papperlabpapp-Zelt von indoktrinierten Linkschaoten-Kindern konnte nicht geduldet werden, angeblich weil es das Grün

Papperlabpapp-Plakat

des Rasens bedrohte, ganz im Gegensatz zum BGLab. Da ist ja kein Rasen mehr.

Ein Onkel aus Niederschöneweide war auch zur Jugendweihe gekommen. Er kannte noch das Zwangsarbeiterlager von Pertrix, der Batteriefabrik der Quandts, weil er in der Nachbarschaft aufgewachsen war. So schließen sich die Kreise.

Da das Fest ausfallen mußte, konnten die Leute am Teute und ihre Gäste in aller Ruhe über den Spruch „Das Rad bewegt das Auto“ (auf der Kinderzeichnung) sinnieren und mit der Dresdner Cousine den Modschegiebschn nachschauen.

KvU feiert heute

Die Kirche von Unten feiert ihren Geburtstag heute in der Kremmener Str. 9-11.
Denn wie Maria Nicanor, die Kuratorin des BMW Guggenheim Lab, im Abgeordnetenhaus zutreffend sagte: „Ich kann auch keine Picasso-Ausstellung durchführen, wenn ich die Eingänge von Polizisten schützen lassen muss,“ können wir ebenfalls keine Feier durchführen, wenn der Rasen sich von der Polizei schützen lassen muß.