Springminen. Noch ein Spielzeug aus dem Hause Quandt

„Viele Lab-Gegner kritisieren, dass ihre Probleme, also Gentrifizierung und steigende Mieten, nicht thematisiert würden. Im jetzt vorgestellten Lab-Programm tauchen diese Themen auch nicht auf.“
Maria Nicanor, die Kuratorin des BMW Guggenheim Laberatoriums, antwortete:
„Wir sind gerade dabei, das Programm zu ändern. Diese Themen werden auf jeden Fall eine Rolle spielen. Deshalb wollten wir ja auch nach Kreuzberg, weil die Probleme um Armut und die Entwicklung des Mediaspree-Gebiets sich dort häufen.“ ( in „Der Tagesspiegel“, 4.4.12)

Derlei Änderungen sind allerdings nicht in das Programm der ersten 3 Wochen vorgedrungen. Deshalb haben wir schon darauf hingewiesen, daß die BMW-Guggenheim-Markennischen- Laberanten nur mit uns spielen wollen.
Als Papa vom Papperlabpapp habe ich es einmal mit dem vom BG-Lab angebotenen Improvisations-Comedy-Training versucht und noch‘n Gedicht geschrieben:

Ein Spielzeug aus dem Hause Quandt
Besessen durch den Wüstensand
brettert seit 20 Jahren schon
ein Spross aus der Familie Quandt,
dem Papa Herbert ihn sein Sohn.

Doch eine böse Mine
verweigerte das gute Spiel.
Die Wüste ist doch keine Schiene,
ihr war der Lärm einfach zu viel.

Drei Fahrer flogen in den heißen Himmel.
In der Oase grasen weiße Schimmel.
Die Mine in dem Wüstensand,
die bastelte der Papa Quandt.

Na gut, es ist vielleicht keine hohe Poesie, aber es soll ja auch nur ein Vorgriff sein auf den Workshop des BGLab:

Ideenfindung durch Improvisation
Samstag, 23. Juni, 16 – 18 Uhr
„Wo kommen gute Ideen her? Erfahren Sie von Spielzeugdesigner Barry Kudrowitz, wie Ideen durch Spiele entwickelt werden können. Aktivieren Sie durch eine Reihe von Mannschaftsspielen basierend auf Improvisations-Comedy-Training die Bereiche Ihres Gehirns, die für Innovationen zuständig sind, und erlernen Sie Fähigkeiten im Zusammenhang mit produktiver Ideenfindung. Diese Spiele fördern Gruppenarbeit, schnelle Assoziation und Problemlösung.“

Allerdings beruhen die Reime auf Tatsachen:

Sven Quandt „Sieben Mal ist Sven Quandt die Rallye von Paris nach Dakar mitgefahren“, schreibt Rüdiger Jungbluth (Die Quandts, S.349): „Bei der Tour 1996 brach der Unternehmer die Rallye am fünften Tag ab. Er fühlte sich nicht sicher. Ihm behagte nicht, dass auch Lastwagen in der Autoklasse mitfahren durften und die Geländewagen gefährdeten. Dann fuhr auch noch eines der Fahrzeuge auf eine Landmine. Drei Menschen verloren ihr Leben.
BMW X3 CC Rallye

Sven Quandt hatte Glück, es hätte ebensogut er selbst sein können, den die Mine in die Luft gesprengt hätte. Das wäre vielleicht der einzige Fall gewesen, in dem ein Mensch durch eine Mine ums Leben gekommen wäre, die seine eigene Familie in ihrem Unternehmen produziert hatte.“

Das Unternehmen hieß Industriewerke Karlsruhe (IWK) nach dem 2. Weltkrieg, in der Nazi- Zeit Deutsche Waffen- und Munitionsfabrik (DWM), im Besitz der Quandts seit 1928. Svens Opa Günther war einer der größten Rüstungsproduzenten des Nazi-Regimes und wurde 1937 Wehrwirtschaftsführer.

Günter Quandt, schrieb zum fünfzigjährigen Bestehen der DWM-Aktiengesellschaft: »Es erfüllt uns mit Dankbarkeit und freudigem Stolz, daß die gesamte Gefolgschaft (…) ihre ganze Kraft daran setzte (…), die Tradition des Unternehmens wiederherzustellen. Daß diese Bemühungen zum Erfolge führten (…), verdanken wir aber allein der Initiative unseres Führers, der mit unbeugsamem Willen die Wiederertüchtigung und Wehrhaftmachung des deutschen Volkes durchführte«.
(Rüdiger Jungbluth Die Quandts Campus, Frankfurt am Main 2002 S. 134)

Im Vorwort zu einer Jubiläumsschrift schrieb Günther Quandt, der sich nach 1945 als ein Verfolgter des Nazi-Regimes darstellte: »So aber war es möglich, im Augenblick der Machtergreifung dem Führer ein Werk zur Verfügung zu stellen, in dem Herstellung von Wehrgeräten in größerem Umfang sofort wieder aufgenommen werden konnte.« 

Und so sahen Opa Günthers „Wehrgeräte“ aus:
DM 31 Springmine

„Bei der DM-31-Mine handelt es sich um eine Anti-Personen- Springmine mit Splitterwirkung, die bei Auslösung in eine Höhe von ca. einem Meter aufsteigt, explodiert und dabei Hunderte von scharfen Stahlsplittern verschießt. Im Umkreis von fünfzehn Metern ist sie für jedes Zielobjekt tödlich. Produziert wurde die DM-31 von den damaligen Industriewerken Karlsruhe IWK.“

„Bei den Industriewerken Karlsruhe , IWK (später Industriewerke Karlsruhe Augsburg, IWKA), begannen dagegen bereits früh Minenpojekte auf deutscher Technologiebasis. Die IWK meldeten bereits am 17. Dezember 1958 ein Springminengehäuse für eine Anti-Personenmine zum Patent an (Deutsches Patentamt, 1962). Ab 1962 wurde in Verantwortung dieser Firma die Anti-Personenmine DM-31 hergestellt und an die Bundeswehr bis 1967 ausgeliefert. Diese Beschaffung kostete 49,2 Mio. DM (Deutscher Bundestag, 1995e, S.5). Die Bundeswehr hält auch hier die Zahl der beschafften Minen geheim. Nach Angaben der Bundestagsabgeordneten Angelika Beer hält die Bundesregierung aber lediglich unter Verschluß, daß sie selbst nicht mehr weiß, wieviele dieser Minen einmal beschafft wurden.
Nach Schätzungen der Autoren dürfte die beschaffte Menge etwa 1 bis 1,5 Millionen Minen betragen haben, nimmt man an, daß eine solche Mine zur damaligen Zeit zwischen 30 und 45 DM gekostet haben dürfte. Der heutige Bundeswehrbestand an DM-31 AP dürfte aber deutlich niedriger sein, da im Rahmen der Munitionsüberwachung in den vergangenen fast dreißig Jahren sicher zwischen der Hälfte und zwei Dritteln der ursprünglich beschafften Minen ausgesondert oder abgegeben wurden. Die Autoren schätzen den heute noch vorhandenen Bundeswehrbestand konservativ auf 350.000 bis 400.000 DM-31. 
Die DM-31 ist eine Spring- und Splittermine. Wird sie ausgelöst, so wird sie durch Explosion einer Ausstoßladung in eine Höhe von 1 bis 1,2 Meter geschossen. Ein Verzögerungszünder für die Hauptladung sorgt dafür, daß sie erst dann explodiert und dabei 300-400 Metallsplitter verschießt. Bis auf mindestens 15 Meter Entfernung – manche Quellen gehen auch von bis zu 27 Meter aus – wirkt die Mine tödlich. Bis zu Entfernungen von 60 Meter werden noch Verletzungen hervorgerufen. Der Wirkradius der Splitter beträgt bis zu 100 Meter.
Technisch greift die DM-31 auf eine der gefürchtetsten Minen der Wehrmacht im Zweiten Weltkrieg zurück, die Splitter-Mine 35 (Tresckow, 1975, S.399; Bergerhoff, 1957, S.H15; Gander, o.J., S.358). Diese wurde weiterentwickelt und nun für die Bundeswehr beschafft. Dabei handelt es sich um eine zylinderförmige Mine von 10,2 cm Durchmesser und 13,6 cm Höhe. Der Zündkanal liegt innen und ist von rund 500 gr Sprengstoff umgeben. Die Stahlsplitter befinden sich an der inneren Seite der Minengehäusewand. Das Gesamtgewicht der Mine beträgt ohne Zünder etwas mehr als 4 kg. Ausgelöst wird die Mine über einen Druck- und Zugzünder vom Typ DM-56, der in verschiedenen Versionen gefertigt wurde. Manche Quellen erwähnen auch einen elektrischen Zünder (DM-29). Für Ausbildungszwecke wird eine Übungsmine mit der Bezeichnung DM-28 eingesetzt, für die eine Rauchladung verfügbar ist. Die Mine kann also als Tret- oder Stolperdrahtmine und als Beobachtungsmine eingesetzt werden (BITS, 1995, Datenbanksatz DM-31; Tresckow, 1975, S.400).

Nach regierungsamtlichen Angaben wurde die DM-31 nur an Großbritannien, Frankreich, Schweden und Dänemark geliefert. Insgesamt aber liegen eindeutige Hinweise zu Lieferungen von deutschen Anti- Personenminen in mindestens zwölf Staaten – davon allein vier afrikanische (Äthiopien, Angola, Eritrea und Sambia) – vor.“

Um sich so etwas auszudenken, braucht es kranke Hirne. Und um damit Geld zu verdienen, Skrupellosigkeit, Gewissenlosigkeit und Menschenverachtung. Das ist im Wortsinne Blutgeld, gewonnen aus zerrissenen Leibern. Und diese Springteufel liegen immer noch in der Welt herum. Aber es ist ja Zeit, diese Dinge zu vergessen, wie Sven Quandt in „Das Schweigen der Quandts“ meinte.

Ein Vorschlag an die Quandts, die nicht wissen, wohin mit ihrem Geld, deren einer wie der fliegende Holländer sinnlos getrieben durch die Wüsten rast und die Laberanten durch die Welt kutschieren, die uns belatschern sollen, damit wir ihre Autos kaufen, nutzen oder zumindest gut finden, gemäß dem Motto ihrer Werbeagentur Häberlein & Mauerer: Mauerer:

Statt eure Lab-Baustelle von Polizisten, Sicherheitsdienst und Schäferhund bewachenbewachen zu lassen, finanziert lieber Minenhunde, damit euer Dreck wieder aus der Welt kommt.
schäferhund auf einem Minenfeld