Über die Deutungshoheit in der Stadt


Wer mit dem Geldsack auf sich einschlagen läßt, sollte sich nicht vor Farbbeutelchen fürchten!

Über die Deutungshoheit in der Stadt.

Innensenator Henkel vermeldete: „Wenn die Informationen zutreffen, scheint es so zu sein, dass ein paar Chaoten bestimmen wollen, wer im Kiez leben darf und wer nicht. Das ist mit einer weltoffenen und toleranten Metropole nicht zu vereinbaren.“
Wenn…! (If! If I had a hammer, I‘d hammer in the morning…)
Das war die Sprachregelung in der öffentlichen Debatte um das BMW Guggenheim Lab:
Wir, Bürgermeister und Senat, repräsentieren die weltoffene, tolerante Metropole. Auf der anderen Seite steht die übliche kleine, radikale Minderheit, stehen die Drohungen aus der linksextremistischen Szene, das hohe Gefährdungspotential für die arme „Denkfabrik“.

Worte, Worte, Substantive…

Bei näherem Hinschauen löst sich alles jedoch in einer Reihe von Konjunktiven und Konditionalsätzen auf.
„In einer Gefährdungsbewertung kam das Landeskriminalamt (LKA) zu dem Schluss, dass es zu Sachbeschädigungen kommen könnte
.“
„Auf Internetseiten und in einem anonymen Fax sei ‚abstrakt‘ zur Verhinderung des Lab aufgerufen worden“, sagte Polizeipräsidentin Koppers.
Ach du meine Güte!

Wenn die Informationen zutreffen, scheint es so zu sein, dass…“
Wenn der Innensenator seine Gefahrenanalyse auf Anschein und Konditionalsätzen aufbaut, dann scheint es so zu sein, daß es ihm auch noch gelingen wird, Massenvernichtungswaffen in der Cuvrystraße zu finden.

Die moralische Legitimation von Wowereit und Henkel

Vielleicht hilft ihm da sein Fraktionsvorsitzender Graf , dem Henkel, die CDU-Fraktion, Wowereit und die Kumpels von der SPD ihr Vertrauen aussprachen dafür, daß die Uni Potsdam ihm wegen einiger Plagiate den Doktortitel entzog. (Willkommen im Club!) „Er habe eine zweite Chance verdient“, sagte Henkel. Wofür? Für weiteres Lügen und Betrügen? Für einen erneuten Dr.eh?
Oder Henkel und Wowereit holen sich juristischen Beistand bei dem Notar für Schrottimmobilien Michael Braun (CDU), der im Dez. 2011 nach 12 Tagen sein Amt als Justizsenator eben wegen fragwürdiger Immobiliengeschäfte aufgeben mußte. Natürlich sprachen sie auch ihm ihr „vollstes Vertrauen“ aus, hatten „Respekt vor seiner Entscheidung“ und maßen ihm für die 12 Tage ein bescheidenes Übergangsgeld von 50 000 € zu. (Wieviel bekommt man in Berlin denn nach einem Jahr? 365:12=30×50 000 = 1,5 Millionen € ?)

Oder wie wäre es mit der moralischen Legitimation unseres Bürgermeisters, des Aufsichtsratsvorsitzenden der Flughafengesellschaft, , der von sich behauptet, „keine Ahnung vom Ausmaß der Mißstände“ gehabt zu haben? Man nennt ihn auch Finca-Klaus nach seinem Besuch auf dem spanischen Anwesen
Finca-Klaus des Partyveranstalters Schmidt. Berlin- Capital-Club-Golfer könnte man ihn auch nennen.
(Man beachte die ‚feinsinnige‘ Doppeldeutigkeit in der Namensgebung: Hauptstadt und Kapital/Stammvermögen)Im Privatjet seines Golfer-Buddys Ex-Bahnchef Dürr flog er zum Golfen nach London und schlug den Jetset-Golfer anschließend für das Große Verdienstkreuz vor.
wowereit und wulff
Wowereit und Ex-Bundespräsident Wulff, auch ein Kumpel des
Party-Königs Schmidt

Die Legitimation durch die Wahl 2011

Soviel läßt sich zur moralischen Legitimität der Koalitionsschwätzer sagen.
Und selbst die angeblich durch die Wahlen in Berlin 2011 bestehende Legitimität ist mehr als dünn. Wir haben nachgerechnet. Wowereit sollte sich an die eigene Nase fassen, wenn er davon redet, daß „Protestaktionen kleiner Minderheiten nichts daran ändern“ würden, daß „ein auf Kreativität ausgerichtetes Projekt wie das Labor ein Gewinn für Berlin“ sei.

Wowereit wurde nämlich nur von einer kleinen radikalen Minderheit von 17 % gewählt.

Die Wahlbeteiligung lag bei 60,2%. Die Nichtwähler und die Ungültig-Wähler machen gut 40% aller Wahlberechtigten aus. Die SPD erreichte 28,3% der Stimmen von 60% der Wahlberechtigten. Auf 100% der Wahlberechtigten ergibt das 17%. Wenn man mit 17% der Stimmen sich frech und ohne Selbstzweifel das Bürgermeisteramt anmaßt, leidet
man an Realitätsverlust. Die CDU erreichte 14% (23,3% von 60%). Der Berliner Senat regiert also mit einem Stimmenanteil von 31% und ist den Nichtwählern deutlich unterlegen. Also reißt das Maul nicht so weit auf und fragt euch lieber, warum die Leute nicht wählen gehen. Ihr koaliert euch sowieso zusammen, wie es euch passt.

Wir maßen uns nicht an, für Berlin zu sprechen oder bestimmen zu wollen, wer Berlin besuchen darf, wie behauptet wird. Wir haben gern und oft Gäste, aber wir lassen es uns auch nicht nehmen, unsere Stimmen und unseren tätigen Protest gegen diejenigen zu erheben, die unsere Stadt verkaufen und rote Teppiche ausrollen für Konzerne und Geldsäcke, die uns ihren Schwindel auch noch schönreden wollen.