Confronting Comfort


Thema des ersten zweijährigen Zyklus des BMW Guggenheim Lab ist Confronting Comfort.

„Ideen für die Großstadt. In New York, Berlin und Mumbai sucht das Lab nach Möglichkeiten, Städte für die Menschen lebenswerter zu gestalten, und erforscht, wie das Verlangen nach modernem Komfort und die dringende Notwendigkeit ökologischer und sozialer Verantwortung in Einklang gebracht werden können.

Wie würden Sie den Komfort der Stadt verbessern?“ wird im Programm des BGLab gefragt.

Einige Berliner hatten da eine Idee und bemühten sich, dem BMW Guggenheim Lab bei der Beantwortung dieser Frage hilfreich zur Seite zu stehen. Ihren bescheidenen Englisch-Kenntnissen mag es geschuldet sein, daß sie „confronting“ nicht mit „verbessern“ übersetzten. In ihrem veralteten Wörterbuch stand da „improve“.

Und weil sich an der ersten geführten Radtour des BGLab durch die Stadt laut Berliner Zeitung („Bau den Boxsack“) nur 14 Menschen beteiligten und sie der Führung der britisch-australischen Radler-Expertin Rachel Smith nicht recht vertrauten, machten sich am Montag

rachel smith
Die Radler-Expertin des BMW-GuggenheimLabs
etliche Berliner Fahrrad-Desperados auf den Weg, um die versammelten Immobilienhaie mit ihrer Behaglichkeit zu konfrontieren.

Jahrestagung der Immobilienwirtschaft

Die hatten sich auf der „Jahrestagung der Immobilienwirtschaft“ des Handelsblattes im Ritz Carlton am Potsdamer Platz gemäß dem Motto „Krisenzeiten sind Immobilienzeiten“ den Pickel am Hals darüber zerbrochen, wie steigende Zinsen ihre Rendite schmälern würden. Anschließend wollten sie sich in der Kulturbrauerei zum Dinieren einfinden. Eingeladen hatte die TLG Immoblien (Motto: „Stark im Osten“), die auch die Kulturbrauerei vermarktet und dort gerade Räume an Gravis, den größten Apple-Händler Berlins, vermietet hat.

Die Fahrrad-Desperados und Straßenmusikanten hatten auch noch ein lustiges Spiel dafür entwickelt. Das heißt „Fang den Bus!“ Und darin saßen sie tatsächlich, die Immobilien-Fuzzies, von den gleichen Politikern hofiert und den gleichen Polizisten geschützt, die das BMWGuggenheimLab hofieren und schützen gegen Farbbeutel und schwere Körperverletzung durch Wasserpistolen.

„In Erwägung, dass da Häuser stehen
während ihr uns ohne Bleibe laßt
haben wir beschlossen, jetzt dort einzuziehen
weil es uns in uns´ren Löchern nicht mehr paßt“.

schrieb Brecht vor 80 Jahren.

Uns paßt es in unseren Löchern und wir wollen dort bleiben und nicht mit dem Komfort von Premium-Marken und einer Form von Aufwertung konfrontiert werden, die uns vertreiben soll und nur der Rendite einer kleinen radikalen Minderheit dient.
Mr. Armstrong, der Direktor der Guggenheim-Foundation, sagte bei der Eröffnung des BMW Guggenheim Lab: „I think, it’s interesting when people begin to protect status quo.“

Was für ein Schmarren!
Natürlich kann man so blöd daherschwätzen, wenn man sich um Mieten nicht sorgen muß und in Abu Dhabi von den Ölscheichs Museen

Guggenheim abu dhabi
Das Guggenheim-Museum in Abu Dhabi, das 2013 fertiggestellt sein soll.

bauen läßt. Und dann kann man sich auch mit einer Witzfigur wie Wowereit verbünden, dem höhere Mieten nur ein Zeichen höherer Kaufkraft sind.