y mis manos son lo unico que tengo

Confronting Comfort?

Confronting Comfort lautet das Thema des BMW Guggenheim Lab. Ist das einfach nur weltfremd angesichts der wirtschaftlichen Lage? Oder will man mit dieser Fragestellung kalt und zynisch den wohlhabenden Kundenkreis, das Marktsegment der Premiummarkenkunden ansprechen, weil es eh um „Anspruchsvolles auf höchstem Niveau“ geht?
(BMW-Kulturchef Girst in ‚Kulturmarken‘: „Im Idealfall wird BMW als Förderer derart wahrgenommen, dass man am dezent platzierten Logo auch den hohen Qualitätsanspruch einer Veranstaltung erkennt, unser Firmensignet als Prädikat und Gütesiegel für Anspruchsvolles auf höchstem Niveau versteht.“)
Na klar! Nichts für arme Schlucker!

Arbeitslosigkeit und Staatsverschuldung

Angela Merkel verteilt die Rettungsschirme, die Rotationsmaschinen rattern (nicht wirklich, es ist ja nur aus dem Nichts geschaffenes Fiat-Geld: „Es werde Licht!“), die Staatverschuldung steigt auf über 2 Bilionen € (und nicht nur in Europa). Die Arbeitslosenzahlen steigen (in Spanien und Griechenland beträgt die Jugendarbeitslosigkeit schon 50%) , und das BMW Guggenheim Lab befasst sich mit dem Komfort.

Wie wäre es, wenn sich das BGLab damit nach Madrid begäbe, um die arbeitslosen Jugendlichen mit der Behaglichkeit zu konfrontieren ?

Y mis manos son lo único que tengo
Kundgebung auf der Puerta del Sol

Und es ist ja nicht so, als ob es anderswo in der Welt nicht auch Arbeitslose, Niedriglöhner, die mit Hartz 4 „aufstocken“ müssen, die Generation Praktikum, Leiharbeiter, Immigranten aus Afrika (, die z.B. im südspanischen Gemüseanbaugebiet wie Sklaven gehalten werden), das sogenannte Prekariat gäbe.
Es ist endlos, uferlos, spitzt sich weiter zu, und in Berlin befinden wir uns wahrhaftig nicht auf einer Insel der Seligen.


Y mis manos son lo único que tengo (Und meine Hände sind alles, was ich habe)

sangen Isabel Parra und Victor Jara.
Es ist nur eine Assoziation. Als ich das Bild der leeren, untätigen Hände der im ’sombra‘ stehenden Jugendlichen auf der Puerta del Sol sah, fiel mir das Lied ein:
Und meine Hände sind alles, was ich besitze.
Und meine Hände sind meine Liebe und meine Stütze.

Doch es ist auch mehr als eine Assoziation. Es gibt offensichtliche Verbindungen und Parallelen.
Für dieses und andere Lieder wurden dem chilenischen Sänger Victor Jara seine Hände zertrümmert, bevor er ermordet wurde von den Schergen der von Kissinger und der CIA an die Macht geputschten Militärdiktatur.
Wenn die armen Schlucker aufbegehren und die immensen Profite der Konzerne beschnitten werden, dann wird geschossen. Die USA, die ihren lateinamerikanischen „Vorhof“ gefährdet sahen, schützten mit diesem Putsch vor allem auch die Interessen der US-Kupferkonzerne, die der gewählte Präsident Allende verstaatlichen wollte. Die größte Mine in Chile, „El Teniente“, gehörte lange den Guggenheims. Sie haben das chilenische Volk und die chilenischen Bodenschätze ausgeplündert, solange es eben ging. Von diesem Blutgeld konnte der „selige“ Solomon mit seiner Baroness dann „duftige Frauenportralts von Renoir“ erwerben und die Solomon Guggenheim Foundation gründen, die uns jetzt mit dem Laberatorium belämmert.

Kupferkönige und Philanthropen…
… auf der Basis von Hungerlöhnen und Kugeln für Streikende

In K.West. Das Kunstmagazin des Westens 7/2006 heißt es unter der Überschrift: „Wie aus Kupfer Kunst wurde oder die Saat des sagenhaften Solomon“
„1929 hatte Guggenheim mit dem Aufbau einer eigenen Kunstsammlung begonnen. Der Mann, der als reichster Unternehmer der Vereinigten Staaten und als zweitreichster der Welt galt, hatte Vermögen mit Gold-, Silber-, Diamanten- und vor allem Kupferminen in Alaska, Mexiko, Chile, Bolivien, im Kongo und in Angola gemacht. Bis 1914 kontrollierten Solomon und seine Brüder achtzig Prozent aller globalen Kupfervorkommen. Für ihr Vermögen war die Familie auch über Leichen gegangen, wie die Journalistin Sigrid Faltin in ihrer lesenswerten Rebay- Biografie »Die Baroness und das Guggenheim« beschreibt: »Für ihre größte Kupfermine in Utah warben die Guggenheims in Japan, Ungarn und Griechenland die Ärmsten der Armen an und brachten sie in einer Art ›Konzentrationslager‹ unter, wo die Arbeiter zu Hungerlöhnen das Ihre zu dem sagenumwobenen Reichtum der Guggenheims beitrugen. Als 1912 die sechstausend Minenarbeiter für mehr Lohn streikten, schossen die privaten Sicherheitskräfte der Guggenheims gemeinsam mit der Armee Utahs die Arbeiter nieder.« Gesammelt wurde in der Familienresidenz auf Long Island, was man in jenen Jahren eben so schätzte: duftige Frauenporträts von Renoir und patriotische Geschichtsmotive amerikanischer Realisten.“

solomon und hilla
Frank Lloyd Wright, Hilla Rebay und „Kupferkönig und Philanthrop“ Solomon Guggenheim

Die chilenischen Bergarbeiter, die Wanderarbeiter aus aller Welt in den Minen der Guggenheims, z. B. in Utah und Kennecott/Alaska, sie alle hatten keine Komfort-Probleme. Die Zwangsarbeiter bei BMW und in den Betrieben der Quandts hatten keine Komfort-Probleme.

Die arbeitslose Jugend heute hat keine Komfortprobleme. Die in Arbeit stehenden, die ihren geringen Lohn mit Hartz 4 „aufstocken“ müssen, haben keine Komfort-Probleme. Die mit Werkverträgen abgespeisten BMW-Arbeiter haben keine Komfortprobleme.
Derlei Probleme sind nicht die der großen Mehrheit der Bevölkerung in den ‚Megacities‘.
Das sind „Probleme“ der Quandts und der Guggenheims, die nicht wissen, wohin mit ihrem unermesslichen Reichtum. Und das schon viel zu lange!