Bleibt, wo der Pfeffer wächst?

Die Entwicklung des Pfefferbergs von einem alternativen Raum für Kiezkultur zu einer Hochburg der Hochkultur.

Ein Märchen aus uralten Zeiten, das geht mir nicht aus dem Sinn…

Kurz vor und nach der Wende, in Zeiten, als das Wünschen noch geholfen hat, kam die Schwalbe aus dem Süden zurück und zwitscherte ihren Freunden, den Kiez-Zwergen, aufgeregt zu, daß der Riese aus dem Westen auf dem Wege gen Osten sei.
Die Zwerge sorgten sich um ihre Hütten und um ihre wesenhafte Kleinigkeit selbst. Da berief der Versammlungszwerg einen großen Ratschlag ein am riesigen Küchentisch der rothaarigen Kiez-Wichtin. Und alle, alle kamen: Auf Förderbändern, Herbstzeitlosen, Sonnenuhren, in Kerngehäusen und manche auch mit der Schneckenpost. Sie tanzten und musizierten, sie spielten mit Puppen und Marionetten, und Jannis, der Griechenwicht, bewirtete alle mit Spanako Tiropita, 2-Spieß-Souflaki und Baklawa.

So tief war ihnen die Furcht ins Herz gefahren.

Da schlug der kleine, langhaarige Wischi-Waschi-Wicht, der nur mit Mühe über die Küchentischkante blicken konnte, vor, sie sollten doch alle, mit Förderbändern, Herbstzeitlosen, Sonnenuhren und mit der Schneckenpost, mit Musik und Tanz, mit Puppen und Marionetten und mit Jannis, dem Griechenwicht, auf den Berg ziehen und alle Türen verrammeln. Und in der größten Not könnten sie in die Kellergewölbe ziehen. Dort würde der Riese aus dem Westen sie sicher nicht entdecken.

Das war ein guter Vorschlag, und sie setzten ihn, wie Wichtel eben sind, sogleich in die Tat um. Sie hämmerten und mauerten und pinselten und gruben, auch Fallen. 61 Wichtel waren sie, wenn man Jannis, den Griechenwicht, den kleinen langhaarigen Wischi-Waschi-Wicht mit der Nase auf der Tischkante und die rothaarigen Kiez-Zwergin und ihren Küchentisch mitzählt, und das muß man ja.

wichtel von köln

Sie waren emsig, und die Zeit verging wie im Fluge. So bemerkten sie nicht, daß der Riese aus dem Westen gar nicht kam.

Der seitwärtslaufende Krebs

Der war nämlich nur bisweilen ein Riese, in der wirklichen Wirklichkeit der Wende-Märchen aber ein Zauberer, mit Schlangen, Teufeln und dem Berliner Filz im Bunde, und hatte sich in einen dicken, fetten Krebs verwandelt.

schlangenbader str.
Autobahnüberbauung Schlangenbader Str. ein sinnloser Bau über einem sinnlosen Autobahnstummel, der nach 2,5 km in einer Wohnstraße endet, ein Projekt von Vater und Sohn Krebs.

„Wenn der Teufel dieser Stadt etwas Böses antun will, lässt er noch einmal so etwas wie die «Schlange» bauen.“

(sagte der ehemalige Regierende Bürgermeister von Berlin Richard von Weizsäcker.)

„Ich bin ein Krebs. Ich helfe euch beim Buddeln“, rief der Krebs und lief seitwärts, um die Wichtel zu verblüffen. „Ich baue für die Welt von Morgen, im Einklang mit der Natur, ökologisch verantwortlich, schonend und nachhaltig. Schaut, ich habe schon eine große, große Schlange gebaut.“

Da klangen den Wichteln die Ohren und sie staunten. Einen Seitwärtsläufer hatten sie noch nie gesehen. Obendrein versprach der Krebs, einen Multiplan und lauter pfeffrige Filetstücke aus dem Berg zu machen, auf daß es dem Riesen den Atem verschlage. Und der seitwärtslaufende Krebs verlangte nur 16,1% x 2 × 2 vom Berg für seine Guttat.

Der Multiplan

So geschah es. Der Krebs machte einen Multiplan, denn das hatte er von seinem Papi und dem grünen Heinrich gelernt, und pfefferte gesalzene Filetstücke.

Und heute läßt ein Millionär auf dem Berg im internationalen Diskurs Englisch (DEnglish) quer labern, ein anderer friert für BMW Autos ein, sicher regenerativ.
eliassons art car
Eliassom friert das „BMW art car“ ein
Ein dritter hat den Biergarten (350 Plätze) privatisiert und grillt auf harzarmer japanischer Holzkohle Filetstücke vom andalusischen Eichelschwein. Ein Sozialkonzern baut ein gemeinnütziges Komödienhaus und vermietet gemeinnützige Apartments in der tariffreien Zone (75 -220 € pro Nacht) der Choriner Str. 37. („small and fine“ oder „King Size“)?
VIA tariffreie Zone

Und ein Autokonzern und ein Kulturkonzern haben die Stadt zuplakatiert mit Fragen an die Wichtel wie: „Warum lächeln wir uns nicht öfter an?“

warum lächeln wir uns...?

Aber da waren die Wichtel schon auf den Euros vom dicken, fetten Krebs ausgeglitten und kantapper, kantapper den Prenzlauer Berg hinab gepurzelt mitsamt dem Mythos.

Und wenn ihr sie suchen wollt, schaut auf der anderen Seite der Erde nach, dort auf den Inseln der Mythen.