Archiv für Juni 2012

Wir, Bürgermeister und Senat….


Erinnerung aus Krähwinkels Schreckenstagen

vom Hitzkopf Heinrich Heine

wowereit und henkel
Wir Bürgermeister und Senat,
Wir haben folgendes Mandat
Stadtväterlichst an alle Klassen
Der treuen Bürgerschaft erlassen.

Kreuzberger Spinner sind es meist,
Die unter uns gesät den Geist
Der Rebellion. Dergleichen Sünder,
Fürwahr! sind selten Gandhis Kinder.

Auch Beutelwerfer sind es meist;
Wer einmal mit dem Beutel schmeißt,
Wird endlich auch die Messer schärfen
Und sie auf Senatoren werfen.

Der Obrigkeit gehorchen, ist
Die erste Pflicht für Jud und Christ.
Es schließe jeder seine Bude
Sobald es dunkelt, Christ und Jude.

Und wenn mal ein Investor klagt,
Weil ihn die linke Socke plagt,
Dann holt der Rat ihn in sein Haus
Und rollt den roten Teppich aus
Auf jede Brache dieser Stadt,
Wo sonst mein Hund gepinkelt hat.*


Denn nur der, der Berlin versteht
Und mit uns in die Zukunft geht,
Wird unserm Jahresplan vertrauen,
Gewißlich nicht auf Flugsand bauen
.
Da fliegen sie ja!
Da fliegen sie ja!(Vor der Pleite, als der Hochwohlweise noch die Flughafeneröffnung probte.)

Und wenn auch mal mein Bettchen brennt
(der Jörn war leider eingepennt),
Vertrauet Eurem Magistrat,
Der fromm und liebend schützt den Staat
Durch huldreich hochwohlweises Walten;
Euch ziemt es, stets das Maul zu halten.

Wollt ihr trotz allem protestieren,
Dann brav und sittsam mit Manieren
Wie’s Hündchen, das auf Brachen pisst
Und doch den Teppich nicht vergißt.

*Solange Berlin nicht vollständig „fertig“ und von Immobilienfonds zugebaut und -gepflastert ist, bleibt auch noch Platz für Kinder und Nachtigallen jenseits von „urban future“ und „smart city“. „Berlin gilt schon seit langer Zeit als Hauptstadt der Nachtigallen. Ornithologen vermuten, dass heute bis zu 1.600 Paare von 9.000 deutschlandweit in der Stadt brüten – also mehr als in ganz Bayern. Berlin ist eine unaufgeräumte Stadt. Anders als auf dem Land, wo Flurbereinigung und Schädlingsbekämpfung drohen, gibt es hier nach wie vor mehr angenehm verschlampte Brachen, Bahntrassen, dichte Hecken und wilde Wiesen als in vielen anderen Städten der Welt.“

Wowereits ist 14cm länger … und das ist auch gut so!

Unser aller Bürgermeister ist ein prinzipienfester Mann, der mit allen Farben kann.
(„Ob grün, ob schwarz, ob rot, ich koaliere alle tot.“
Zum nächsten Karneval wird er sich sicher als Pirat verkleiden.)

Er war erzürnt, als Bürger unserer Stadt, linke Miesmacher, die behaupten, er ließe sich vor jeden Premium-Karren spannen, sich erdreisteten, gegen das BMW GuggenheimLab zu protestieren und brachte sogleich seinen geliebten roten Teppich ins Rollen:

„Die Anti-Gentrifizierungsaktivisten, die das temoräre Denklabor zur Zukunft des städtischen Lebens durch ihre Drohungen zumindest in Kreuzberg gründlich vermasselt haben, stellt der Regierende Bürgermeister und praktizierende Kultursenator in die Ecke kleingeistiger Chaoten und provinzieller Verhinderer. Ins gleiche Horn bläst der Koalitionspartner Frank Henkel.
BMW und Guggenheim, das sind doch genau die Global Player, die wir in Berlin brauchen, ihrem Projekt müsse man „den roten Teppich ausrollen“ - so funktioniert der Stadtmanager Wowereit. Weltoffenheit hieß schon unter seiner rot-roten Regierung: Unternehmen, Investoren und andere Möchtegern-Berlin-Gestalter aus der großen weiten Welt anlocken, koste es, was es wolle.“

schrieb die Berliner Zeitung am 21.2.2012.

Warum sein Zorn?

Er kann sich doch mit seinem gepanzerten Dienst-BMW, den kein Farbbeutel zu durchdringen vermag, durch die Gegend kutschieren lassen, solange er Bürgermeister ist, vielleicht sogar noch auf der ausgebauten A100. Und danach läßt er sich wie unser Ex-Außenminister und dessen Ziehmutter Madeleine Albright (Ex-Außenministerin der USA) einfach mit einem Beratervertrag für BMW bedenken, z. B. als Elektromobilitäts-Avangardist. Fischer hilft, den Premium-Hersteller BMW ergrünen zu lassen:
„In München sind sie uneingeschränkt stolz auf ihre Neuverpflichtung: ‚Er ist ein Sympathieträger, den man uns nicht sofort zugetraut hätte‘, sagt ein BMW-Sprecher.“ (FAZ, 21.9.2009)
Wowereits Dienstwagen
Hier übt sich BürgerMeister Wowereit bereits als BMW PR-Berater, quasi von Amts wegen.

Allerdings muß er noch ein wenig an seiner Glaubwürdigkeit feilen. Er kann nicht Berlin als Schaufenster der Elektromobilität vermarkten wollen und von Nachhaltigkeit schwadronieren und sich gleichzeitig mit einer der größten Dreckschleudern, die Deutschlands Politiker benutzen, zu den roten Teppichen kutschieren lassen.

Beinfreiheit für Wowereit
titelte ein Kommentator des Tagesspiegels vom 19.4.2011 süffisant:
„Klaus Wowereit (SPD) ist seinen Amtskollegen in den anderen Bundesländern 14 Zentimeter voraus. Der Regierende Bürgermeister fährt seit neuestem einen extralangen Dienstwagen.“

„Der gepanzerte BMW 750 Li, den es auch in einer 14 Zentimeter kürzeren Variante gibt, wird sonst vor allem in China geschätzt. BMW verkauft die Luxuslimousine (Gesamtlänge: 5,21 Meter) an die Neureichen der Volksrepublik, die morgens gerne ein bisschen Beinfreiheit haben, wenn sie in Peking oder Schanghai im Stau stehen. Auf den Berliner Dienstwegen macht sich das 407-PS-Schiff, das 266 Gramm Kohlendioxid (CO2) pro Kilometer ausstößt, nicht so gut, wie die Deutsche Umwelthilfe (DUH) findet.
(…)
Wowereits CO2-Bilanz ist freilich mehrfach bemerkenswert. Erstens, weil der Regierende Berlin zur Hauptstadt der nachhaltigen Fortbewegung machen will – aber trotzdem einen noch größeren Dienstwagen fährt als 2010.
(…)
Rot-Rot hält das aus, wird der Regierende denken und sich im Fond des langen Siebeners strecken. Platz genug ist hier, um bei Gelegenheit das Aktionsprogramm aufzuschlagen, mit dem Berlin 100.000 Elektroautos auf die Straße bringen will, damit die Welt 2020 wieder auf diese Stadt schaue. Im Vorwort schreibt Klaus Wowereit: „Sichtbarer und erfahrbarer Nutzen schafft Akzeptanz, Nachfrage und Märkte.“

Wowereit bei BMW
Jedenfalls stößt Wowereit mit seinen Kumpels von BMW schon einmal auf vergangene und zukünftige gute Zusammenarbeit an.

Und falls es mit BMW nicht klappt, es gibt ja noch andere Premium-Hersteller. Und wie wir wissen, schlürft Herr Wowereit ja aus allen Bechern: rot, grün oder schwarz, mit oder ohne Henkel. (Sein neuer Polit-Partner, Innensenator Henkel, fährt übrigens auch BMW, allerdings nur privat, wenn er mal seinen Dienstwagen verlassen kann.)
wowereit und kubicki voe mercedes
Uups! Falsche Marke! Klaus und Jörn auf einem ihrer roten Teppiche vor einer ihrer Premiummarken.

Wowereit u. Kubicki auf der Berlinale vor 7er BMW
Na, geht doch! Wowereit und Kubicki auf der Berlinale vor 7er-BMW der Berlinale-Flotte.

Und ehrlich, als erfahrene Kiffer raten wir euch, schlaft lieber in eurem BMW-High-Security Auto, falls Eure Matratze mal wieder brennt.

Was Guernica und BMW miteinander zu tun haben. Offener Brief an eine Spanierin.

Offener Brief des Papperlabpapp an Frau Nicanor, Kuratorin des BMW Guggenheim Lab

Berlin, 4.6. 2012

Werte Frau Nicanor,
Sie haben mehrfach in der Presse und im Abgeordnetenhaus geäußert, daß sie die Vorbehalte gegen BMW nicht nachvollziehen können, geschweige denn teilen. Sie seien einfach nur „dankbar für die Finanzierung Ihres Projektes“:

„Durch die Finanzierung von BMW können wir solch ein Projekt wie das Guggenheim Lab auf großer internationaler Ebene aufziehen. In einem solchen Ausmaß wäre uns das als kleine Institution sonst nicht möglich. “
„So I can only be grateful for the funding of my project.“
(Abgeordnetenhaus, 16.4.2012)

Überdies verstünden Sie nicht, „warum Sie sich für die Vergangenheit der Eignerfamilie Quandt rechtfertigen sollen. Kultur brauche nun mal starke Partner.“
(rbb-online, Stand vom 7.5.2012, Baustellenbesuch: Hier entsteht das BMW Guggenheim Lab)

Ich glaube nicht, Frau Nicanor, daß man Sie ernsthaft aufforderte, sich für die Vergangenheit der Quandts zu rechtfertigen. Aber Sie dürfen sich nicht darüber wundern, wenn Berliner sich über BMW und die Quandt-Dynastie empören. Und glauben Sie bitte nicht, daß das alles Schnee von gestern sei.

Hier in Berlin gibt es zahlreiche Plätze, die auf die skrupellose Kriegsproduktion der Quandts und BMW’s, gründend auf Zwangsarbeit und Arisierung, verweisen.
Ich nenne Ihnen 3 Beispiele: BRAMO, DWM (Deutsche Waffen- und Munitionsfabriken AG) und Pertrix, der den Quandts gehörende Batteriefabrik mit dem Zwangarbeiterlager in Niederschöneweide.
DWM
Eine Aktie der DWM von 1936 mit der Unterschrift „Günther Quandt“

Die Brandenburgischen Motorenwerke (BRAMO) wurden 1939 von BMW übernommen. Dort wurden Flugzeugmotoren produziert. BMW hatte an anderen Standorten schon früher damit begonnen. Gegen Ende des 2. Weltkrieges bestand 90% der Produktion BMW’s aus der Fertigung von Flugzeugmotoren. Unter anderem waren die Heinkel He-51 und die Junkers Ju 52/3m mit BMW-Flugmotoren ausgerüstet.

Warum das für Sie als Spanierin von Bedeutung ist?

Wegen Guernica.

„Im Juli 1936 wurden zunächst 20 Maschinen zur Legion Condor in den Spanischen Bürgerkrieg geschickt. Aus den insgesamt 48 Ju52 (spanischer Spitzname „Pablo“) warfen die deutschen Legionäre von November 1936 bis Januar 1937 Spreng-, Splitter- und Brandbomben auf Madrid, setzten mit einer 250-Kilogramm-Bombe das republikanische Schlachtschiff „Jaime I“ außer Gefecht und zerstörten unter anderem die baskischen Städte Durango (Bizkaia) und Gernika (span. Guernica). Diese militärischen Erfolge veranlassten Hitler zu dem Ausspruch:
„Franco sollte der Ju 52 ein Denkmal setzen“.

Um 17:00 Uhr erhoben sich 50 Kilometer südlich der Stadt, in Vitoria, 10 Heinkel-He-51-Jäger; zur gleichen Zeit starteten 27 Junkers Ju 52/3m von Burgos aus. Die größeren Flugzeuge gehörten zur Kampfgruppe 88 (K/88) und der VB/88, die einmotorigen Heinkels zur 3. Staffel der Jagdgruppe 88 (3.J/88). Geleitschutz flogen Messerschmitt Bf 109-Jäger der ersten beiden Staffeln desselben Verbandes (1. und 2.J/88).
15 Minuten darauf trafen die He 51 in Gernika ein. Wenig später warfen die Ju 52 ihre Bomben in drei Wellen ab. Gegen 18:50 Uhr erreichten mehrere Bf 109 der 2.J/88 erneut den Ort und schossen auf die Flüchtenden. Zehn Minuten später flogen weitere He 51 den letzten Angriff.
Durch die Bomben und das anschließende Großfeuer wurden etwa 80 Prozent aller Gebäude zerstört…“.

(Wikipedia: Luftangriff auf Guernica)
Die als Bomber eingesetzten Ju 52 und die Tiefflieger He 51 wurden von BMW 132 Sternmotoren bzw BMW VI Motoren angetrieben.

Ju 52

Frau Nicanor, in Spanien wird es sicher zahlreiche Veröffentlichungen zu Guernica geben, aber für deutsche Leser gebe ich noch einen Hinweis: Friedensratschlag. Guernica. Geschichte eines Luftangriffs

Im Abgeordnetenhaus sagten Sie: „Aber wir sind ein kulturelles Projekt, und das können wir niemandem aufzwingen, so wie man auch niemandem eine Picasso-Ausstellung oder Ähnliches aufzwingen kann.“

Aber die Nazis waren in der Lage, dem spanischen Volk die Regierung des Generalissimo Franco aufzudrücken, indem sie seine Truppen mit 30 Ju 52 von Nordafrika nach Spanien transportierten, indem sie mit ihrer Legion Condor Madrid, Guernica und andere Städte und Dörfer bombardieren ließen, buchstäblich angetrieben von BMW.

Da schließt sich der Kreis. Ohne die Legion Condor, ohne deutsche Flugzeuge und deutsche Bomben, produziert von deutschen Rüstungsbetrieben, von BMW und den Quandts, die mit dem Tod auch Ihrer Landsleute ihre Silberlinge anhäuften, wäre Guernica nicht zerstört worden und hätte Picasso nicht „Guernica“ sondern ein anderes Bild gemalt: „Der Maler und sein Modell“.

Picassos Guernica

Man könnte zynisch kommentieren: „So schaffte BMW Kunst.“
Wenn Sie an der Fassade von BMW kratzen, an dem „branding“, der Förderung von Kulturprojekten, dem Platzieren der BMW-Flotte auf der Berlinale, dann stoßen Sie immer noch und immer wieder auf die Fratze des Todes.

In der American Academy haben Sie am 31.5. geäußert, „corporate sponsorship“ sei in den USA „normal as water“. Abgesehen davon, daß auch das Wasser zwecks Geschäftemacherei immer mehr privatisiert und der allgemeinen Verfügbarkeit entzogen wird, sollten Sie zwischen Wasser aus einem frischen Quell und einer stinkenden Kloake unterscheiden.

Sie kennen sicher den Spruch:
Man beißt nicht in die Hand, die einen füttert. (Don‘t bite the hand that feeds you.)
Daran scheinen Sie sich zu halten, wenn Sie die Frage nach BMW und den Quandts mit der Aussage: „Kultur brauche nun mal starke Partner“ beantworten. Aber in manche Hände muß man beißen, wenn man noch einen Funken Ehre im Leib hat.

Springminen. Noch ein Spielzeug aus dem Hause Quandt

„Viele Lab-Gegner kritisieren, dass ihre Probleme, also Gentrifizierung und steigende Mieten, nicht thematisiert würden. Im jetzt vorgestellten Lab-Programm tauchen diese Themen auch nicht auf.“
Maria Nicanor, die Kuratorin des BMW Guggenheim Laberatoriums, antwortete:
„Wir sind gerade dabei, das Programm zu ändern. Diese Themen werden auf jeden Fall eine Rolle spielen. Deshalb wollten wir ja auch nach Kreuzberg, weil die Probleme um Armut und die Entwicklung des Mediaspree-Gebiets sich dort häufen.“ ( in „Der Tagesspiegel“, 4.4.12)

Derlei Änderungen sind allerdings nicht in das Programm der ersten 3 Wochen vorgedrungen. Deshalb haben wir schon darauf hingewiesen, daß die BMW-Guggenheim-Markennischen- Laberanten nur mit uns spielen wollen.
Als Papa vom Papperlabpapp habe ich es einmal mit dem vom BG-Lab angebotenen Improvisations-Comedy-Training versucht und noch‘n Gedicht geschrieben:

Ein Spielzeug aus dem Hause Quandt
Besessen durch den Wüstensand
brettert seit 20 Jahren schon
ein Spross aus der Familie Quandt,
dem Papa Herbert ihn sein Sohn.

Doch eine böse Mine
verweigerte das gute Spiel.
Die Wüste ist doch keine Schiene,
ihr war der Lärm einfach zu viel.

Drei Fahrer flogen in den heißen Himmel.
In der Oase grasen weiße Schimmel.
Die Mine in dem Wüstensand,
die bastelte der Papa Quandt.

Na gut, es ist vielleicht keine hohe Poesie, aber es soll ja auch nur ein Vorgriff sein auf den Workshop des BGLab:

Ideenfindung durch Improvisation
Samstag, 23. Juni, 16 – 18 Uhr
„Wo kommen gute Ideen her? Erfahren Sie von Spielzeugdesigner Barry Kudrowitz, wie Ideen durch Spiele entwickelt werden können. Aktivieren Sie durch eine Reihe von Mannschaftsspielen basierend auf Improvisations-Comedy-Training die Bereiche Ihres Gehirns, die für Innovationen zuständig sind, und erlernen Sie Fähigkeiten im Zusammenhang mit produktiver Ideenfindung. Diese Spiele fördern Gruppenarbeit, schnelle Assoziation und Problemlösung.“

Allerdings beruhen die Reime auf Tatsachen:

Sven Quandt „Sieben Mal ist Sven Quandt die Rallye von Paris nach Dakar mitgefahren“, schreibt Rüdiger Jungbluth (Die Quandts, S.349): „Bei der Tour 1996 brach der Unternehmer die Rallye am fünften Tag ab. Er fühlte sich nicht sicher. Ihm behagte nicht, dass auch Lastwagen in der Autoklasse mitfahren durften und die Geländewagen gefährdeten. Dann fuhr auch noch eines der Fahrzeuge auf eine Landmine. Drei Menschen verloren ihr Leben.
BMW X3 CC Rallye

Sven Quandt hatte Glück, es hätte ebensogut er selbst sein können, den die Mine in die Luft gesprengt hätte. Das wäre vielleicht der einzige Fall gewesen, in dem ein Mensch durch eine Mine ums Leben gekommen wäre, die seine eigene Familie in ihrem Unternehmen produziert hatte.“

Das Unternehmen hieß Industriewerke Karlsruhe (IWK) nach dem 2. Weltkrieg, in der Nazi- Zeit Deutsche Waffen- und Munitionsfabrik (DWM), im Besitz der Quandts seit 1928. Svens Opa Günther war einer der größten Rüstungsproduzenten des Nazi-Regimes und wurde 1937 Wehrwirtschaftsführer.

Günter Quandt, schrieb zum fünfzigjährigen Bestehen der DWM-Aktiengesellschaft: »Es erfüllt uns mit Dankbarkeit und freudigem Stolz, daß die gesamte Gefolgschaft (…) ihre ganze Kraft daran setzte (…), die Tradition des Unternehmens wiederherzustellen. Daß diese Bemühungen zum Erfolge führten (…), verdanken wir aber allein der Initiative unseres Führers, der mit unbeugsamem Willen die Wiederertüchtigung und Wehrhaftmachung des deutschen Volkes durchführte«.
(Rüdiger Jungbluth Die Quandts Campus, Frankfurt am Main 2002 S. 134)

Im Vorwort zu einer Jubiläumsschrift schrieb Günther Quandt, der sich nach 1945 als ein Verfolgter des Nazi-Regimes darstellte: »So aber war es möglich, im Augenblick der Machtergreifung dem Führer ein Werk zur Verfügung zu stellen, in dem Herstellung von Wehrgeräten in größerem Umfang sofort wieder aufgenommen werden konnte.« 

Und so sahen Opa Günthers „Wehrgeräte“ aus:
DM 31 Springmine

„Bei der DM-31-Mine handelt es sich um eine Anti-Personen- Springmine mit Splitterwirkung, die bei Auslösung in eine Höhe von ca. einem Meter aufsteigt, explodiert und dabei Hunderte von scharfen Stahlsplittern verschießt. Im Umkreis von fünfzehn Metern ist sie für jedes Zielobjekt tödlich. Produziert wurde die DM-31 von den damaligen Industriewerken Karlsruhe IWK.“

„Bei den Industriewerken Karlsruhe , IWK (später Industriewerke Karlsruhe Augsburg, IWKA), begannen dagegen bereits früh Minenpojekte auf deutscher Technologiebasis. Die IWK meldeten bereits am 17. Dezember 1958 ein Springminengehäuse für eine Anti-Personenmine zum Patent an (Deutsches Patentamt, 1962). Ab 1962 wurde in Verantwortung dieser Firma die Anti-Personenmine DM-31 hergestellt und an die Bundeswehr bis 1967 ausgeliefert. Diese Beschaffung kostete 49,2 Mio. DM (Deutscher Bundestag, 1995e, S.5). Die Bundeswehr hält auch hier die Zahl der beschafften Minen geheim. Nach Angaben der Bundestagsabgeordneten Angelika Beer hält die Bundesregierung aber lediglich unter Verschluß, daß sie selbst nicht mehr weiß, wieviele dieser Minen einmal beschafft wurden.
Nach Schätzungen der Autoren dürfte die beschaffte Menge etwa 1 bis 1,5 Millionen Minen betragen haben, nimmt man an, daß eine solche Mine zur damaligen Zeit zwischen 30 und 45 DM gekostet haben dürfte. Der heutige Bundeswehrbestand an DM-31 AP dürfte aber deutlich niedriger sein, da im Rahmen der Munitionsüberwachung in den vergangenen fast dreißig Jahren sicher zwischen der Hälfte und zwei Dritteln der ursprünglich beschafften Minen ausgesondert oder abgegeben wurden. Die Autoren schätzen den heute noch vorhandenen Bundeswehrbestand konservativ auf 350.000 bis 400.000 DM-31. 
Die DM-31 ist eine Spring- und Splittermine. Wird sie ausgelöst, so wird sie durch Explosion einer Ausstoßladung in eine Höhe von 1 bis 1,2 Meter geschossen. Ein Verzögerungszünder für die Hauptladung sorgt dafür, daß sie erst dann explodiert und dabei 300-400 Metallsplitter verschießt. Bis auf mindestens 15 Meter Entfernung – manche Quellen gehen auch von bis zu 27 Meter aus – wirkt die Mine tödlich. Bis zu Entfernungen von 60 Meter werden noch Verletzungen hervorgerufen. Der Wirkradius der Splitter beträgt bis zu 100 Meter.
Technisch greift die DM-31 auf eine der gefürchtetsten Minen der Wehrmacht im Zweiten Weltkrieg zurück, die Splitter-Mine 35 (Tresckow, 1975, S.399; Bergerhoff, 1957, S.H15; Gander, o.J., S.358). Diese wurde weiterentwickelt und nun für die Bundeswehr beschafft. Dabei handelt es sich um eine zylinderförmige Mine von 10,2 cm Durchmesser und 13,6 cm Höhe. Der Zündkanal liegt innen und ist von rund 500 gr Sprengstoff umgeben. Die Stahlsplitter befinden sich an der inneren Seite der Minengehäusewand. Das Gesamtgewicht der Mine beträgt ohne Zünder etwas mehr als 4 kg. Ausgelöst wird die Mine über einen Druck- und Zugzünder vom Typ DM-56, der in verschiedenen Versionen gefertigt wurde. Manche Quellen erwähnen auch einen elektrischen Zünder (DM-29). Für Ausbildungszwecke wird eine Übungsmine mit der Bezeichnung DM-28 eingesetzt, für die eine Rauchladung verfügbar ist. Die Mine kann also als Tret- oder Stolperdrahtmine und als Beobachtungsmine eingesetzt werden (BITS, 1995, Datenbanksatz DM-31; Tresckow, 1975, S.400).

Nach regierungsamtlichen Angaben wurde die DM-31 nur an Großbritannien, Frankreich, Schweden und Dänemark geliefert. Insgesamt aber liegen eindeutige Hinweise zu Lieferungen von deutschen Anti- Personenminen in mindestens zwölf Staaten – davon allein vier afrikanische (Äthiopien, Angola, Eritrea und Sambia) – vor.“

Um sich so etwas auszudenken, braucht es kranke Hirne. Und um damit Geld zu verdienen, Skrupellosigkeit, Gewissenlosigkeit und Menschenverachtung. Das ist im Wortsinne Blutgeld, gewonnen aus zerrissenen Leibern. Und diese Springteufel liegen immer noch in der Welt herum. Aber es ist ja Zeit, diese Dinge zu vergessen, wie Sven Quandt in „Das Schweigen der Quandts“ meinte.

Ein Vorschlag an die Quandts, die nicht wissen, wohin mit ihrem Geld, deren einer wie der fliegende Holländer sinnlos getrieben durch die Wüsten rast und die Laberanten durch die Welt kutschieren, die uns belatschern sollen, damit wir ihre Autos kaufen, nutzen oder zumindest gut finden, gemäß dem Motto ihrer Werbeagentur Häberlein & Mauerer: Mauerer:

Statt eure Lab-Baustelle von Polizisten, Sicherheitsdienst und Schäferhund bewachenbewachen zu lassen, finanziert lieber Minenhunde, damit euer Dreck wieder aus der Welt kommt.
schäferhund auf einem Minenfeld