Pfefferberg: Kinder- und Nachbarschaftsgärten statt Büro- und Atelierhäuser

Umstrittenes Gelände: Zum Standort des BMW Guggenheim Lab auf einer „öffentlich zugänglichen Grünfläche“

In einem Italo-Western sagte Terence Hill zu Bud Spencer: „Wenn irgendwo in der Wüste ein Haufen Scheiße liegt, du trittst bestimmt rein!“

Das scheint auch für das BMW Guggenheim Lab zu gelten: Erst die Cuvrystraße, dann der Nordhof des Pfefferbergs. Naivität oder Kalkül? Wer weiß.
Jedenfalls sah so der Norddhof aus, bevor die Laberer kamen.
Grünfläche auf dem Nordhof

Dann kam die Planierraupe.

zusammengeschobenes Grün
Die Herrschaften begutachten die für das BMW Guggenheim Lab zusammengeschobene Grünfläche.

Kurz vorher hatte der grüne Herr Kirchner, seines Zeichens Bezirksstadtrat, dem dicken, fetten, seitwärtslaufenden Krebs aus dem Märchen grünes Licht (sic!) gegeben für die vertragswidrige Bebauung des Nordhofes mit einem Atelier- und Bürohaus.
“Das Ziel einer öffentlich zugänglichen privaten Grünfläche auf dem Nordhof des Grundstückes Schönhauser Allee 176 / Christinenstr. 18-19″, heißt es in einer am Dienstag von Bezirksstadtrat Jens-Holger Kirchner dem Stadtentwicklungsausschuss der BVV übermittelten Vorlage, “wird flächenmäßig eingeschränkt zugunsten der Errichtung eines Büro- und Atelier-gebäudes an den rückwärtigen Brandwänden der Quergebäude Schönhauser Allee 174 und 175.” Zur Begründung wird eine “Verbesserung der Wirtschaftlichkeit des Gesamtprojektes Pfefferberg” angeführt.

Was hat es mit dieser „Wirtschaftlichkeit“ auf sich?
Das verdient Aufmerksamkeit und eine Portion Enthüllungsjournalismus.

„Wenn das „BMW-Guggenheim-Lab“ nächsten Monat eröffnet, rückt sein Standort in den Blick“,schrieb das Stadtmagazin Zitty am15.5.2012 . Weiter heißt es:

„Der Pfefferberg, der einmal soziokulturelles Dorf werden sollte, entwickelt sich zur Festung der Edelkultur. “

Wie ist das geschehen? Wie ist der Pfefferberg den hoffenden, jungen Menschen im Aufbruch, die sich seit 1988 voller Idealismus auf den Weg machten, einen Ort für den Kiez, für die Jugend, für Künstler aller Couleur zu schaffen, aus der Hand genommen worden?

Wie konnte der abgebrühte Generalübernehmer K.D. Krebs 64,4% der Pfefferwerk Entwicklungs GmbH und Co KG ergattern und das aus dem Pfefferberg machen, was er heute ist:

Eine Ansammlung von Millionenerben, Millionären, Gastronomie-Unternehmen und Sozialkonzernen mit tariffreien Zonen für ihre Beschäftigten. (Maserati-Harry läßt grüßen!)

Wie konnte der Krebs pfeffrige Filetstücke portionieren und sie zu seinem Vorteil verscherbeln?

Was kosteten die

Filetstücke auf dem Pfefferberg?

Wer hat den Krebs ins Boot geholt? Wer hielt die Hand auf? Wir wissen noch nicht genug.

Die folgenden Zahlen wurden von der Unternehmensgruppe Krebs selbst veröffentlicht:

Akira Ikeda Galerie: Fertigstellung Dezember 2001 / Baukosten: 855.000 € / Nutzfläche: 455 m²

AEDES Berlin: Fertigstellung Mai 2006 / Baukosten: 420.000 € netto / Nutzfläche: 315 m²

ICI Berlin: Fertigstellung August 2006 / Baukosten: 2.956.000 € netto / Nutzfläche: 2.268 m²

Studio Olafur Eliasson: Fertigstellung Juli 2008 / Baukosten: 2.762.000 € netto / Nutzfläche: 3.666 m²

Galerie Mikael Andersen: Fertigstellung August 2008 / Baukosten: 632.000 € netto / Nutzfläche: 472 m²

Die Zahlen für Meinblau, die Büroräume des Pfefferwerks, das Restaurant Pfeffer, das Tauro und die VIA-Unternehmungen Pfefferbett und Komödienstadl sind uns nicht bekannt. Für Hinweise wären wir dankbar.

6 Millionen € für den Krebs?

Ebensowenig sind uns die Preise für den Verkauf des Erbbaurechts und den Verkauf der Gebäude bekannt.
Für den Teil des Nordhofs, auf dem das von dem grünen Herrn Kirchner bewilligte Büro- und Atelierhaus entstehen soll, wenn das BMW Guggenheim Lab abgezogen ist, wurden als Antwort auf eine Kleine Anfrage zum Nordhof Zahlen genannt: „Weit über 600 000 €“ für eine Nutzfläche von 1400m². Die Gesamtnutzfläche des Pfefferbergs incl. Nordhof wird mit ca. 20 000m² angegeben. Dann kommt man auf knapp 9 Millionen €, wenn man den Preis für die 1400m² zum Maßstab nimmt, davon ca. 6 Millionen für den Krebs.
Das stinkt doch zum Himmel!

Und wenn das BMW Guggenheim Lab am 13. und 14. Juli über Verdrängung, über die Gestaltung der sozialen Stadt und über Gemeinschaftsgartenprojekte diskutieren will, sollte es nicht in die Ferne schweifen, sondern gleich mit seinem Standort beginnen.
Warum soll hier im Nordhof zur Bereicherung des Krebses ein Atelier- und Geschäftshaus entstehen? Paßt das überhaupt in das Baudenkmal?

Warum kann hier nicht ein Nachbarschaftsgarten erblühen oder ein internationaler Kindergarten entstehen, wie es einmal angedacht war, mit einer Spielfläche für die Kinder der Nachbarschaft?

Das zu erreichen wäre ein lohnenswertes Ziel für das BMW Guggenheim Lab vor seiner Weiterreise nach Mumbai, statt Berlin mit kostspieligen Warum ist die Banane krumm?-Fragen zuzukleistern.

warum sind wir immer in Eile? 9×12m-Transparent am Alex