Am Spreeufer im Herzen des Wrangelkiezes in Kreuzberg, mitten im sogenannten „MediaSpree“-Gebiet, auf einer letzten noch unkommerziell genutzten, nicht bebauten Brachflächen (Cuvrystraße Ecke Schlesische Straße) soll ab März das sogenannte „BMW Guggenheim Lab“ aufgebaut werden, die feierliche Eröffnung mit Bürgermeister Wowereit („Steigende Mieten sind gut für Berlin“) ist für Mai geplant.

Das geplante \"BMW-Guggenheim-Lab\"

Für den Kiez bedeutet das geplante „Lab“ eine weitere Aufwertung und eine Beschleunigung der ohnehin schon rasanten Mietsteigerungs- und Verdrängungsspirale. BMW hofft auf einen fetten Image-Zugewinn, und der Grundstückseigentümer natürlich auf eine schöne Wertsteigerung seines Grundstückes, auf dem in nicht so ferner Zukunft Luxuswohnungen entstehen sollen.

DAS BMW GUGGENHEIM LAB

Nach eigener Aussage ist das BMW Guggenheim Lab ein temporäres „Forschungslaboratorium“ zum Thema „urbanes Leben und Wohnen in der Zukunft“. Hervorgegangen ist es aus einem Deal zwischen BMW und dem Guggenheim-Museum in New York. Dort hatte das Museum eine werbeträchtige Ausstellung von BMW-Designs gezeigt, im Gegenzug finanziert nun BMW das Lab. Nach der ersten Station im Sommer 2011 in New York soll es vom 23.05.2012 bis 29.07.2012 in Berlin-Kreuzberg stattfinden und 2013 nach Mumbai weiterziehen.

Mit den baulichen Vorbereitungen für das „Lab“ soll Mitte März begonnen werden. Spätestens zur Eröffnung wird dann auch der neue Zaun fertig sein, denn obwohl das niemand so sagt, bedeutet das „Lab“ eine Schließung der bislang einfach zugänglichen, viel genutzten Fläche. Ein neuer Zaun kommt hin, das Gelände darf nur zu den sogenannten „Programm-Zeiten“ betreten werden, spätestens um 22 Uhr ist abends dicht, und dann patroulliert nur noch der Wachschutz.

Wie immer bei kommerziellen Projekten wurden die Anwohner_innen natürlich nicht gefragt, was sie davon denn halten. Anfang März wurden sie zur Präsentation des zukünftigen „Lab“ geladen, und vor (anscheinend) vollendete Tatsachen gestellt: Das „Lab“ wird kommen, ob es euch passt oder nicht. Doch was will dieses „Lab“ eigentlich, über das im Vorfeld bereits von diversen Zeitungen berichtet wurde (Welt; Morgenpost mit sehenswerten Illustrationen ; Berliner Zeitung ), und gegen das die Anwohner_innen auf der Veranstaltung bereits wütend protestiert haben?

WERBUNG UND IMAGEPFLEGE

Ein wichtiger Faktor konkurrierender Unternehmen ist das „Image“. So ist das „BMW Guggenheim Lab“ als direkte Antwort auf BMWs größten Konkurrenten Audi zu verstehen. Mit dem „Festival of Ideas for the New City” vom 4. bis 8. Mai 2011 in New York hat Audi ein ähnliches Projekt mit fast identischen Worthülsen („eine gemeinsame Vision der Stadt der Zukunft“) initiert. Hinter Schlagworten wie „kreativ-produktive Zusammenkunft“, „öffentliches Forum“, „gemeinschaftliches Leben in Großstädten“ u.ä. verbirgt sich der Kampf um Marktanteile heutiger und zukünftiger Produkte.


„Denn zunehmend mutiert das Auto in der öffentlichen Wahrnehmung vom präferierten urbanen Fortbewegungsmittel zum städtischen Störfaktor, was sich nicht zuletzt daran zeigt, dass BMW derzeit mit dem „Guggenheim Lab“ an einem ähnlich gelagerten Debattenforum feilt wie Audi mit seinem New Yorker Engagement. … Laut denkt man bei Audi darüber nach, wie die urbane Mobilität der Zukunft aussehen könnte. Während man sich wohl leise den Kopf darüber zerbricht, welches Produkt man in einer autolosen Stadt überhaupt noch verkaufen kann.“
(Tagesspiegel)

In New York ist diese Art der Imagepflege mit dem „BMW Guggenheim Lab“ laut BMW [http://www.bmwblog.com/2011/10/28/bmw-guggenheim-lab-ends-successful-new-york-city-run] voll aufgegangen: „54.000 Besucher, 329.000 Besucher der Website, 45.000 Facebook likes, 40.000 YouTube views“.

Was BMW nicht erwähnt, ist allerdings, daß es auch in NewYorck Proteste gegen das BMW-Lab gab, und zwar unter der Parole „Gentrification Is Class War – Fight Back!“. Denn auch in NewYorck, ähnlich wie in Berlin, wurde das Lab ausgerechnet in einem massiv von Gentrifizierung und steigenden Mieten betroffenen Kiez aufgebaut. Und auch in NewYorck hat das „Lab“ natürlich nicht dazu bei getragen, daß die Mieten gesunken sind, sondern im Gegenteil den Mietsteigerungs- und Aufwertungstrend noch verstärkt.

Das „Lab“ stellt sich gerne als offenes Laboratorium da, wo alle willkommen sind, wo offen und ergebnisoffen diskutiert werden kann, wo der Name des Finanzierers BMW nur ein kleiner Schriftzug auf den Plakaten ist. „BMW hat mit dem Lab nichts zu tun“, so ein Sprecher des Lab auf der oben erwähnten Anwohner_innen-Info-Veranstaltung Anfang März. Doch was denkt BMW selbst?

Hier müssen wir nicht viel spekulieren, sondern lassen direkt den „BMW-Marketingchef Uwe Ellinghaus“ zu Wort kommen, der sich ausführlich im „Manager Magazin“ – wo auch sonst – über das Vorhaben geäußert hat:


„Wichtige Institutionen wie die Columbia University und das MIT sowie solche, die weltweit bei Zukunftsplanung in Megastädten federführend sind, kommen im BMW Guggenheim Lab beim Lab Team und dem Advisory Committee zusammen. Es ist dieser breite, international besetzte Mix, der das Projekt einzigartig macht. Und: Sie werden hier keine Markenbotschaften finden, sondern Abendveranstaltungen, Lesungen und Experimente – weit über den Kontext von Verkehr und Zukunft, oder das Auto hinaus…

Wir haben es hier mit einem interessierten, aufgeschlossenen Publikum zu tun, das wir mit traditionellem Marketing und herkömmlichen Kommunikationskanälen immer weniger erreichen. All jene, die ganz definitiv keine Autozeitschriften lesen und die sich weniger für Fernsehen, Print und andere traditionelle Medien interessieren. Diese Menschen erreichen wir mit Veranstaltungen außerhalb der üblichen Terrains einer Premiummarke… Mit der Experiential branding-Strategie, und ganz konkret mit dem BMW Guggenheim Lab, möchten wir jene ansprechen, die heute vielleicht noch keine besondere Affinität zur Marke BMW haben – möglicherweise dem Auto sogar ambivalent gegenüber stehen…

Natürlich erhoffen wir uns positive Abstrahlungseffekte auf die Marke BMW und auf das Unternehmen… Was wir brauchen, ist ein Signal an Menschen, dass wir mehr sind als das Automobil.

Wir sind keine Weltverbesserer. Wir als Unternehmen sind allein sicher nicht dazu in der Lage, die Probleme dieser Welt zu lösen, auch nicht die der Megastädte. Aber den Dialog darüber anzuregen, auch pragmatische Visionen zuzulassen, die sich nicht in einer Utopie versteigen, das sehen wir schon als unsere Aufgabe. Bislang war BMW die Marke für aufstrebende, für junge, für dynamische Menschen. Jetzt möchten wir bewusst zeigen, dass BMW viel mehr ist – das ist ein Paradigmenwechsel im Marketing von Premiummarken…

Kunden möchten sich mit Marken umgeben, die ihren Stil und ihre Lebenswelt vermitteln, „Patchwork Consumption“ zeichnet sich weder durch Homogenität noch jahrzehntelange Markenloyalität aus. Zudem wollen Kunden ein Unternehmen genau kennen, mit diesem interagieren – und genau hier müssen wir uns neu positionieren – wir müssen die Marke permanent weiter entwickeln. Darum werden Themen wie Design, Architektur und Kunst noch wichtiger…

Es geht mitnichten darum, möglichst viel für kulturelles Engagement auszugeben, sondern um eine langfristige, positive Wahrnehmung des Unternehmens als auch um die Reputation der Marke BMW – auch in der Presse.

So weit und so ausführlich der „Marketing-Chef“ von BMW. Überschrieben ist der Artikel im „Manager-Magazin“ übrigens mit: „Im BMW Guggenheim Lab will BMW sich mit grundsätzlichen Fragen der Stadtplanung befassen“.

Doch was ist eigentlich BMW, vom „Marketing-Chef“ dafür gerühmt, „international sowohl gesellschaftliche als auch soziale Projekte“ zu fördern?

BMW UND DIE FAMILIE QUANDT: EINE DEUTSCHE GESCHICHTE BRUTALER AUSBEUTUNG

Die Firma BMW wurde 1917 gegründet. Damals stellte sie Flugzeugmotoren z.B. für die Preußische Heeresverwaltung für den Einsatz im Ersten Weltkrieg her. Mit Ende des Ersten Weltkrieges und dem Verbot des Herstellung von Flugzeugmotoren für Deutschland kam beinahe das Ende für BMW. Davor rettete sich BMW mit der Umstellung der Produktion auf zuerst Motorräder und später Autos. Nach der Machtübergabe an die Nazis brach durch deren Kriegsvorbereitung, wie für viele deutsche Unternehmen, auch für BMW ein goldenes Zeitalter an. 1933 betrug der Umsatz noch 32,5 Millionen RM, 1944 750 Millionen RM, erwirtschaftet durch die Ausbeutung von 56.000 Beschäftigten, rund 50 Prozent davon Zwangsarbeiter_innen (Wikipedia).

Nach dem Zweiten Weltkrieg geriet BMW in eine Krise. Aufwärts ging es nach der Beteiligung der Familie Quandt an BMW im Jahre 1959. Doch wer sind diese Quands, die auch heute noch die Mehrheit an BMW besitzen?


„Ihre heutige Bedeutung verdankt die Familie dem Textilunternehmer Günther Quandt (1881–1954), der die Aktivitäten der von ihm kontrollierten Unternehmen im Ersten Weltkrieg und in der Zwischenkriegszeit in der Produktion von Rüstungs- und Industriegütern ausbaute. In der Zeit des Nationalsozialismus vermehrte und vergrößerte Quandt den Familienbesitz teils auf Kosten unrechtmäßig enteigneter, meist jüdischer Konkurrenten und wurde zu einem der größten Rüstungsproduzenten des Dritten Reichs. Die von Quandt und seinen Söhnen geführten Unternehmen beuteten dabei im Zweiten Weltkrieg in enger Zusammenarbeit mit dem Machtapparat des NS-Regimes systematisch die Arbeitskraft von Zwangsarbeitern aus, von denen viele aufgrund der schlechten Behandlung starben. Einer Anklage bei den Nürnberger Prozessen konnten sich die Verantwortlichen aus der Familie entziehen und Teile ihrer Firmen und ihres Vermögens über das Ende der Naziherrschaft hinaus retten. Das heutige Vermögen der Familie wird auf 20 Milliarden Euro geschätzt“ – so Wikipedia.

Zu BMW/ Quand gibt es einen sehr lesenswerten „Zeit“-Artikel, u.a. zur direkten Zusammenarbeit mit SS und KZ-Mannschaften.


„…Von 1944 an griff der Quandt-Konzern dann auch für andere Betriebe auf die von der SS angebotenen Arbeitssklaven zurück, wie der Hagener Historiker Ralf Blank nachgewiesen hat. Im AFA-Werk Wien-Florisdorf schufteten beispielsweise Häftlinge aus dem KZ Mauthausen. Auch in Berlin, wo der Konzernherr Günther Quandt und sein Sohn Herbert residierten, kooperierte die AFA mit der SS. Bei der Tochterfirma Pertrix, die in Berlin-Niederschöneweide Batterien produzierte, mussten Häftlinge aus dem KZ Sachsenhausen arbeiten…

In noch viel größerem Umfang beschäftigten die AFA und ein zweiter bedeutender Quandt-Konzern, die Deutschen Waffen- und Munitionsfabriken (DWM), in ihren Werken Zwangsarbeiter. Im Stammwerk der DWM in Karlsruhe stieg deren Zahl im Verlauf des Krieges auf 4578 Menschen, überwiegend Polen und Russen, die aus ihrer Heimat verschleppt worden waren.“

Bis heute weitern sich BMW/ Quandt, Verantwortung für die von ihnen organisierten und unterstützten Verbrechen während der nationalsozialistischen Herrschaft zu übernehmen, wird etwa eine Beteiligung am Entschädigungs-Fond für Zwangsarbeiter_innen kategorisch abgelehnt.


„2011 hat die Familie Quandt bei BMW 365 Millionen Euro Dividende kassiert. Damit die Profite weiter sprudeln, wird fleißig gespendet, und zwar alleine und ausschließlich an reaktionäre und wirtschafts-liberale Parteien.
„Die Familie Quandt aus Bad Homburg gehört zu den Großindustriellen Deutschlands und kontrolliert die Unternehmen BMW und Altana. Die Familienmitglieder Susanne Klatten, Stefan Quandt und Mutter Johanna Quandt gehören zu den größten Spendern der CDU. Die Familie überwies seit dem Jahr 2002 insgesamt 2.485.000 € an CDU, CSU und FDP. Addiert man die Spenden der Unternehmen BMW (4.516.903 €)und Altana (1.652.678 €) hinzu, wäre die Familie der größte Parteifinanzier überhaupt.“ (Link)

Neben Spenden und Werbeveranstaltungen wie dem „BMW Guggenheim Lab“ wird auch noch mit einer Stiftung Stimmung für den Kapitalismus im Allgemeinen gemacht: „Die Johanna-Quandt-Stiftung setzt sich dafür ein, das Verständnis für die marktwirtschaftliche Ordnung und für die Bedeutung des privaten Unternehmertums als Träger der wirtschaftlichen Entwicklung in der Öffentlichkeit und den Medien zu fördern.“

Die Stiftung verleiht jährlich den „Herbert Quandt Medien-Preis“ an „Journalisten und Publizisten, die sich in herausragenden und allgemein verständlichen Beiträgen mit der Rolle von Unternehmern und Unternehmen in der Marktwirtschaft auseinandersetzen.“

Im Kuratorium der Johanna-Quandt-Stiftung sitzt übrigens auch der Chefredakteur des Tagesspiegel, Stephan-Andreas Casdorff.

Hohe Profite – niedrige Löhne. Seit langer Zeit kritisiert die die IG Metall daß kein anderes deutsches Automobil-Unternehmen schlecht bezahlte sogenannte „Leih-Arbeiter“ in so großem Umfang beschäftigt wie BMW.

DER WRANGELKIEZ: COOL, HIP UND DU BIST RAUS

Schon bei der Eröffnung des Labs 2011 in New York hat die damalige Stadtentwicklungssenatorin Ingeborg Junge-Reyer, bekannt für ihre Ignoranz gegenüber steigenden Mieten und Verdrängung, für das ach so hippe Berlin geworben. Sollte das Lab erst im Prenzlauer Bergstattfinden, soll es jetzt in den Wrangelkiez kommen. „Prenzlauer Berg ist zu langweilig“ so sinngemäß Lutz Henke von „artitude“, mittlerweile auf der Gehaltsliste von BMW/ Guggenheim, bei der ersten Infoveranstaltung des Labs am 07.03.2012. Ebenso wie Immobilien-Investoren will auch das Lab das Image des Kiezes ausbeuten. Die soziale Realität dient dabei bestenfalls als Feigenblatt. „Wir können über alles reden“, meint Henke.

Aber im Wrangelkiez, wie in fast allen Bezirken innerhalb des S-Bahnringes, muss nicht mehr über eine Situation geredet werden, die allen bekannt ist. Massive Mieterhöhungen und Verdrängung ( Tagesspiegel, Morgenpost
sind mittlerweile selbst in den bürgerlichen Medien unumstritten.

Ein tatsächlich stattfindendes BMW-Lab dürfte die Bekanntheit des Kiezes nochmal erhöhen, und den Teil derjenigen Gutverdienenden, die trotz MediaSpree und CarLofts den Schritt nach Kreuzberg noch scheuen, verkleinern. Die Folge wären noch rasanter steigende Mieten, noch mehr Luxussanierung, noch mehr Umwandlung in Eigentumswohnungen. Während vor Jahren durch das Quartiersmanagement Ladenflächen günstig an „Kreative“ und Künstler_innen vermietet wurden, um das Quartier aufzuwerten, bedarf es heute eines Mega-Projekts wie des „BMW-Labs“, um diese Spirale weiter zu treiben. Denn schon lange sind die Gewerbe-Mieten so hoch, daß sie zunehmend nur noch für teure Shops und auf den Massen-Tourismus setzende Gastronomie bezahlbar sind.

Das BMW-Lab möchte, um seine Akzeptanz zu erhöhen, gerne Akteure „aus dem Kiez“ einbinden. Bisher wurden, nach eigener Aussage, das Quartiersmanagement Wrangelkiez, die AG Spreeufer von MediaSpree versenken und das YAAM angesprochen. Den „Kunst-Verein Artitude“ haben sie sich bereits durch einen lukrativen Job für den Vorstandsvorsitzenden des Vereins, Lutz Henke, eingekauft. Das Quartiersmanagement als staatliche Veranstaltung wird niemals der herrschenden Politik, die das BMW-Lab großartig findet, wiedersprechen. Das YAAM hat sich bislang nicht geäußert und die AG Spreeufer scheint vor allem mit internen Problemen zu tun zu haben.

Ob diese Politik des „Teile und Herrsche“ wirklich aufgeht, ist also noch nicht ausgemacht. Das viele Anwohner_innen das „Lab“ rundherum ablehnen, wurde auf der oben erwähnten Veranstaltung bereits deutlich.

DAS LAB AUF DER CUVRY-BRACHE

Das Lab soll auf der sogenannten Cuvry-Brache [
errichtet werden, einem exemplarischem Beispiel der Grundstücksspekulation. 1998 musste das YAAM, ein multikulturelles Projekt, die Fläche räumen, weil die Botag dort ein überdimensioniertes Einkaufszentrum bauen wollte. Das konnte die verschuldete Botag nicht realisieren und verkaufte an die IVG Immobilien AG, die dort Wohn- und Büroflächen, Gastronomie und ein Hotel vorsah. Auch das klappte nicht und mittlerweile ist die Ritter – Finest Real Estate Besitzer und will dort „Wohnungen, Einzelhandel und Büros“ errichten. Mit dem Lab bekommen sie kostenlose Werbung für ihr Kommerz-Scheiss-Luxus-Projekt, auch der Grundstückswert dürfte massiv steigen.

Zwischenzeitlich wird das Gelände von den Anwohner_innen als Grillplatz, zum Abhängen, als Gemeinschaftsgärten und zum Graffiti-Sprühen genutzt – zwar von einem Zaun umgeben, aber zugänglich für alle. Das soll sich mit Errichtung des Labs ändern: durch einen neuen Zaun und Bewachung durch Securities soll der Zugang nur noch in den Öffnungszeiten des Labs möglich sein – und wer das Grundstück außerhalb der Öffnungszeiten des BMW-Lab gerne nutzen möchte, wird wohl umgehend Erfahrungen mit polizeilicher Gewalt macht.

Das BMW-Lab soll auf einer der letzten Brachflächen im MediaSpree-Gebiet entstehen. Bis heute sind im kompletten MediaSpree-Gebiet in Mitte, Friedrichshain-Kreuzberg und Treptow keinerlei soziale, gemeinnützige Nutzungen vorgesehen, allen Protesten und dem gewonnenen Bürger_innen-Entscheid zum Trotz.

Das Spreeufer in Friedrichshain rund um MTV und das „NHOW-Hotel“ gibt einen Vorgeschmack, wie alles einmal nach den Vorstellungen von Politik, Kapital und Stadtplanung aussehen soll. Und neben die O2-Halle kommt demnächst ein fettes Einkaufszentrum, und daneben die Mercedes-Benz-Zentrale. Das Yaam soll Luxuswohnungen oder Büros weichen. Und auch gegenüber der Köpi auf dem Grundstück neben Verdi gibt es keine Pläne, die etwas anderes als Kommerz und/ oder Luxus vorsehen.

WIDERSTAND GEGEN DAS BMW-LAB

Der Widerstand gegen Aufwertungsprojekte wie das BMW Guggenheim Lab kann auf eine lange Tradition des Widerstandes im Kiez – und über den Kiez hinaus natürlich – aufbauen. Nach unzähligen Aktionen, Kiezspaziergängen und Demonstrationen von „MediaSpree Versenken“ wurde während des MediaSpree-entern-Aktionstages im Juni 2010 die Cuvry-Brache besetzt (Indy). Im Oktober 2010 wurde als Antwort auf die Verdrängung aus dem Kiez der ehemalige Farbenladen Sachse, der wegen Verdoppelung der Miete wegziehen musste, in der Falckensteinstraße besetzt. Seitdem trifft sich die Initiative „Wrangelkiez gegen Steigende Mieten und Verdrängung“ regelmäßig im Nachbarschaftshaus Cuvrystraße. Neben Veranstaltungen zu Wohnungspolitik und Betriebskosten, Kiezspaziergängen und Infoständen beteiligte sich die Initiative auch an der großen Mietenstopp-Demonstration im September 2011. Ebenso begrüßte die Initiative die beiden Besetzungen der Schlesischen Straße 25 im Mai 2011 und im September 2011.

WAS TUN?

Bei einem hippen Konzern-Projekt, das zur weiteren Aufwertung beitragen wird, ist die politische Herrschaft von Berlin natürlich hin und weg, einfach nur begeistert. Junge-Reyer, Ex-Stadtentwicklungs-Senatorin, kommt im BMW-Werbe-Video (LINK) ausführlich zu Wort. Auch der grüne Bürgermeister von Kreuzberg findet das toll, und möchte persönlich für das BMW-Lab „eine Liste von Ansprechpartnern und Initiativen aus Kreuzberg zusammenstellen“, wie die „Welt“ berichtet.

Dass viele Anwohner_innen und alle anderen, denen die gegenwärtige Entwicklung von rasant steigenden Mieten, Verdrängung, MediaSpree, Kommerzialisierung des öffentlichen Raumes, Überwachung usw. auf die Nerven geht, überhaupt keine Lust auf das BMW-Lab am Spreeufer im Herzen des Wrangelkiezes haben, hat sich bereits gezeigt. Daß wir nicht auf die herrschende Politik vertrauen dürfen, sollte eh klar sein. Aber wird es uns gelingen, das Lab zu verhindern? Und wenn uns das nicht gelingt: wird es gelingen, einen reibungslosen Betrieb unmöglich zu machen?

Wir sind gespannt. Und, warum das verschweigen: Wir auch etwas optimistisch, daß wir hier gemeinsam noch was gebacken kriegen.