Was Guernica und BMW miteinander zu tun haben. Offener Brief an eine Spanierin.

Offener Brief des Papperlabpapp an Frau Nicanor, Kuratorin des BMW Guggenheim Lab

Berlin, 4.6. 2012

Werte Frau Nicanor,
Sie haben mehrfach in der Presse und im Abgeordnetenhaus geäußert, daß sie die Vorbehalte gegen BMW nicht nachvollziehen können, geschweige denn teilen. Sie seien einfach nur „dankbar für die Finanzierung Ihres Projektes“:

„Durch die Finanzierung von BMW können wir solch ein Projekt wie das Guggenheim Lab auf großer internationaler Ebene aufziehen. In einem solchen Ausmaß wäre uns das als kleine Institution sonst nicht möglich. “
„So I can only be grateful for the funding of my project.“
(Abgeordnetenhaus, 16.4.2012)

Überdies verstünden Sie nicht, „warum Sie sich für die Vergangenheit der Eignerfamilie Quandt rechtfertigen sollen. Kultur brauche nun mal starke Partner.“
(rbb-online, Stand vom 7.5.2012, Baustellenbesuch: Hier entsteht das BMW Guggenheim Lab)

Ich glaube nicht, Frau Nicanor, daß man Sie ernsthaft aufforderte, sich für die Vergangenheit der Quandts zu rechtfertigen. Aber Sie dürfen sich nicht darüber wundern, wenn Berliner sich über BMW und die Quandt-Dynastie empören. Und glauben Sie bitte nicht, daß das alles Schnee von gestern sei.

Hier in Berlin gibt es zahlreiche Plätze, die auf die skrupellose Kriegsproduktion der Quandts und BMW’s, gründend auf Zwangsarbeit und Arisierung, verweisen.
Ich nenne Ihnen 3 Beispiele: BRAMO, DWM (Deutsche Waffen- und Munitionsfabriken AG) und Pertrix, der den Quandts gehörende Batteriefabrik mit dem Zwangarbeiterlager in Niederschöneweide.
DWM
Eine Aktie der DWM von 1936 mit der Unterschrift „Günther Quandt“

Die Brandenburgischen Motorenwerke (BRAMO) wurden 1939 von BMW übernommen. Dort wurden Flugzeugmotoren produziert. BMW hatte an anderen Standorten schon früher damit begonnen. Gegen Ende des 2. Weltkrieges bestand 90% der Produktion BMW’s aus der Fertigung von Flugzeugmotoren. Unter anderem waren die Heinkel He-51 und die Junkers Ju 52/3m mit BMW-Flugmotoren ausgerüstet.

Warum das für Sie als Spanierin von Bedeutung ist?

Wegen Guernica.

„Im Juli 1936 wurden zunächst 20 Maschinen zur Legion Condor in den Spanischen Bürgerkrieg geschickt. Aus den insgesamt 48 Ju52 (spanischer Spitzname „Pablo“) warfen die deutschen Legionäre von November 1936 bis Januar 1937 Spreng-, Splitter- und Brandbomben auf Madrid, setzten mit einer 250-Kilogramm-Bombe das republikanische Schlachtschiff „Jaime I“ außer Gefecht und zerstörten unter anderem die baskischen Städte Durango (Bizkaia) und Gernika (span. Guernica). Diese militärischen Erfolge veranlassten Hitler zu dem Ausspruch:
„Franco sollte der Ju 52 ein Denkmal setzen“.

Um 17:00 Uhr erhoben sich 50 Kilometer südlich der Stadt, in Vitoria, 10 Heinkel-He-51-Jäger; zur gleichen Zeit starteten 27 Junkers Ju 52/3m von Burgos aus. Die größeren Flugzeuge gehörten zur Kampfgruppe 88 (K/88) und der VB/88, die einmotorigen Heinkels zur 3. Staffel der Jagdgruppe 88 (3.J/88). Geleitschutz flogen Messerschmitt Bf 109-Jäger der ersten beiden Staffeln desselben Verbandes (1. und 2.J/88).
15 Minuten darauf trafen die He 51 in Gernika ein. Wenig später warfen die Ju 52 ihre Bomben in drei Wellen ab. Gegen 18:50 Uhr erreichten mehrere Bf 109 der 2.J/88 erneut den Ort und schossen auf die Flüchtenden. Zehn Minuten später flogen weitere He 51 den letzten Angriff.
Durch die Bomben und das anschließende Großfeuer wurden etwa 80 Prozent aller Gebäude zerstört…“.

(Wikipedia: Luftangriff auf Guernica)
Die als Bomber eingesetzten Ju 52 und die Tiefflieger He 51 wurden von BMW 132 Sternmotoren bzw BMW VI Motoren angetrieben.

Ju 52

Frau Nicanor, in Spanien wird es sicher zahlreiche Veröffentlichungen zu Guernica geben, aber für deutsche Leser gebe ich noch einen Hinweis: Friedensratschlag. Guernica. Geschichte eines Luftangriffs

Im Abgeordnetenhaus sagten Sie: „Aber wir sind ein kulturelles Projekt, und das können wir niemandem aufzwingen, so wie man auch niemandem eine Picasso-Ausstellung oder Ähnliches aufzwingen kann.“

Aber die Nazis waren in der Lage, dem spanischen Volk die Regierung des Generalissimo Franco aufzudrücken, indem sie seine Truppen mit 30 Ju 52 von Nordafrika nach Spanien transportierten, indem sie mit ihrer Legion Condor Madrid, Guernica und andere Städte und Dörfer bombardieren ließen, buchstäblich angetrieben von BMW.

Da schließt sich der Kreis. Ohne die Legion Condor, ohne deutsche Flugzeuge und deutsche Bomben, produziert von deutschen Rüstungsbetrieben, von BMW und den Quandts, die mit dem Tod auch Ihrer Landsleute ihre Silberlinge anhäuften, wäre Guernica nicht zerstört worden und hätte Picasso nicht „Guernica“ sondern ein anderes Bild gemalt: „Der Maler und sein Modell“.

Picassos Guernica

Man könnte zynisch kommentieren: „So schaffte BMW Kunst.“
Wenn Sie an der Fassade von BMW kratzen, an dem „branding“, der Förderung von Kulturprojekten, dem Platzieren der BMW-Flotte auf der Berlinale, dann stoßen Sie immer noch und immer wieder auf die Fratze des Todes.

In der American Academy haben Sie am 31.5. geäußert, „corporate sponsorship“ sei in den USA „normal as water“. Abgesehen davon, daß auch das Wasser zwecks Geschäftemacherei immer mehr privatisiert und der allgemeinen Verfügbarkeit entzogen wird, sollten Sie zwischen Wasser aus einem frischen Quell und einer stinkenden Kloake unterscheiden.

Sie kennen sicher den Spruch:
Man beißt nicht in die Hand, die einen füttert. (Don‘t bite the hand that feeds you.)
Daran scheinen Sie sich zu halten, wenn Sie die Frage nach BMW und den Quandts mit der Aussage: „Kultur brauche nun mal starke Partner“ beantworten. Aber in manche Hände muß man beißen, wenn man noch einen Funken Ehre im Leib hat.

Springminen. Noch ein Spielzeug aus dem Hause Quandt

„Viele Lab-Gegner kritisieren, dass ihre Probleme, also Gentrifizierung und steigende Mieten, nicht thematisiert würden. Im jetzt vorgestellten Lab-Programm tauchen diese Themen auch nicht auf.“
Maria Nicanor, die Kuratorin des BMW Guggenheim Laberatoriums, antwortete:
„Wir sind gerade dabei, das Programm zu ändern. Diese Themen werden auf jeden Fall eine Rolle spielen. Deshalb wollten wir ja auch nach Kreuzberg, weil die Probleme um Armut und die Entwicklung des Mediaspree-Gebiets sich dort häufen.“ ( in „Der Tagesspiegel“, 4.4.12)

Derlei Änderungen sind allerdings nicht in das Programm der ersten 3 Wochen vorgedrungen. Deshalb haben wir schon darauf hingewiesen, daß die BMW-Guggenheim-Markennischen- Laberanten nur mit uns spielen wollen.
Als Papa vom Papperlabpapp habe ich es einmal mit dem vom BG-Lab angebotenen Improvisations-Comedy-Training versucht und noch‘n Gedicht geschrieben:

Ein Spielzeug aus dem Hause Quandt
Besessen durch den Wüstensand
brettert seit 20 Jahren schon
ein Spross aus der Familie Quandt,
dem Papa Herbert ihn sein Sohn.

Doch eine böse Mine
verweigerte das gute Spiel.
Die Wüste ist doch keine Schiene,
ihr war der Lärm einfach zu viel.

Drei Fahrer flogen in den heißen Himmel.
In der Oase grasen weiße Schimmel.
Die Mine in dem Wüstensand,
die bastelte der Papa Quandt.

Na gut, es ist vielleicht keine hohe Poesie, aber es soll ja auch nur ein Vorgriff sein auf den Workshop des BGLab:

Ideenfindung durch Improvisation
Samstag, 23. Juni, 16 – 18 Uhr
„Wo kommen gute Ideen her? Erfahren Sie von Spielzeugdesigner Barry Kudrowitz, wie Ideen durch Spiele entwickelt werden können. Aktivieren Sie durch eine Reihe von Mannschaftsspielen basierend auf Improvisations-Comedy-Training die Bereiche Ihres Gehirns, die für Innovationen zuständig sind, und erlernen Sie Fähigkeiten im Zusammenhang mit produktiver Ideenfindung. Diese Spiele fördern Gruppenarbeit, schnelle Assoziation und Problemlösung.“

Allerdings beruhen die Reime auf Tatsachen:

Sven Quandt „Sieben Mal ist Sven Quandt die Rallye von Paris nach Dakar mitgefahren“, schreibt Rüdiger Jungbluth (Die Quandts, S.349): „Bei der Tour 1996 brach der Unternehmer die Rallye am fünften Tag ab. Er fühlte sich nicht sicher. Ihm behagte nicht, dass auch Lastwagen in der Autoklasse mitfahren durften und die Geländewagen gefährdeten. Dann fuhr auch noch eines der Fahrzeuge auf eine Landmine. Drei Menschen verloren ihr Leben.
BMW X3 CC Rallye

Sven Quandt hatte Glück, es hätte ebensogut er selbst sein können, den die Mine in die Luft gesprengt hätte. Das wäre vielleicht der einzige Fall gewesen, in dem ein Mensch durch eine Mine ums Leben gekommen wäre, die seine eigene Familie in ihrem Unternehmen produziert hatte.“

Das Unternehmen hieß Industriewerke Karlsruhe (IWK) nach dem 2. Weltkrieg, in der Nazi- Zeit Deutsche Waffen- und Munitionsfabrik (DWM), im Besitz der Quandts seit 1928. Svens Opa Günther war einer der größten Rüstungsproduzenten des Nazi-Regimes und wurde 1937 Wehrwirtschaftsführer.

Günter Quandt, schrieb zum fünfzigjährigen Bestehen der DWM-Aktiengesellschaft: »Es erfüllt uns mit Dankbarkeit und freudigem Stolz, daß die gesamte Gefolgschaft (…) ihre ganze Kraft daran setzte (…), die Tradition des Unternehmens wiederherzustellen. Daß diese Bemühungen zum Erfolge führten (…), verdanken wir aber allein der Initiative unseres Führers, der mit unbeugsamem Willen die Wiederertüchtigung und Wehrhaftmachung des deutschen Volkes durchführte«.
(Rüdiger Jungbluth Die Quandts Campus, Frankfurt am Main 2002 S. 134)

Im Vorwort zu einer Jubiläumsschrift schrieb Günther Quandt, der sich nach 1945 als ein Verfolgter des Nazi-Regimes darstellte: »So aber war es möglich, im Augenblick der Machtergreifung dem Führer ein Werk zur Verfügung zu stellen, in dem Herstellung von Wehrgeräten in größerem Umfang sofort wieder aufgenommen werden konnte.« 

Und so sahen Opa Günthers „Wehrgeräte“ aus:
DM 31 Springmine

„Bei der DM-31-Mine handelt es sich um eine Anti-Personen- Springmine mit Splitterwirkung, die bei Auslösung in eine Höhe von ca. einem Meter aufsteigt, explodiert und dabei Hunderte von scharfen Stahlsplittern verschießt. Im Umkreis von fünfzehn Metern ist sie für jedes Zielobjekt tödlich. Produziert wurde die DM-31 von den damaligen Industriewerken Karlsruhe IWK.“

„Bei den Industriewerken Karlsruhe , IWK (später Industriewerke Karlsruhe Augsburg, IWKA), begannen dagegen bereits früh Minenpojekte auf deutscher Technologiebasis. Die IWK meldeten bereits am 17. Dezember 1958 ein Springminengehäuse für eine Anti-Personenmine zum Patent an (Deutsches Patentamt, 1962). Ab 1962 wurde in Verantwortung dieser Firma die Anti-Personenmine DM-31 hergestellt und an die Bundeswehr bis 1967 ausgeliefert. Diese Beschaffung kostete 49,2 Mio. DM (Deutscher Bundestag, 1995e, S.5). Die Bundeswehr hält auch hier die Zahl der beschafften Minen geheim. Nach Angaben der Bundestagsabgeordneten Angelika Beer hält die Bundesregierung aber lediglich unter Verschluß, daß sie selbst nicht mehr weiß, wieviele dieser Minen einmal beschafft wurden.
Nach Schätzungen der Autoren dürfte die beschaffte Menge etwa 1 bis 1,5 Millionen Minen betragen haben, nimmt man an, daß eine solche Mine zur damaligen Zeit zwischen 30 und 45 DM gekostet haben dürfte. Der heutige Bundeswehrbestand an DM-31 AP dürfte aber deutlich niedriger sein, da im Rahmen der Munitionsüberwachung in den vergangenen fast dreißig Jahren sicher zwischen der Hälfte und zwei Dritteln der ursprünglich beschafften Minen ausgesondert oder abgegeben wurden. Die Autoren schätzen den heute noch vorhandenen Bundeswehrbestand konservativ auf 350.000 bis 400.000 DM-31. 
Die DM-31 ist eine Spring- und Splittermine. Wird sie ausgelöst, so wird sie durch Explosion einer Ausstoßladung in eine Höhe von 1 bis 1,2 Meter geschossen. Ein Verzögerungszünder für die Hauptladung sorgt dafür, daß sie erst dann explodiert und dabei 300-400 Metallsplitter verschießt. Bis auf mindestens 15 Meter Entfernung – manche Quellen gehen auch von bis zu 27 Meter aus – wirkt die Mine tödlich. Bis zu Entfernungen von 60 Meter werden noch Verletzungen hervorgerufen. Der Wirkradius der Splitter beträgt bis zu 100 Meter.
Technisch greift die DM-31 auf eine der gefürchtetsten Minen der Wehrmacht im Zweiten Weltkrieg zurück, die Splitter-Mine 35 (Tresckow, 1975, S.399; Bergerhoff, 1957, S.H15; Gander, o.J., S.358). Diese wurde weiterentwickelt und nun für die Bundeswehr beschafft. Dabei handelt es sich um eine zylinderförmige Mine von 10,2 cm Durchmesser und 13,6 cm Höhe. Der Zündkanal liegt innen und ist von rund 500 gr Sprengstoff umgeben. Die Stahlsplitter befinden sich an der inneren Seite der Minengehäusewand. Das Gesamtgewicht der Mine beträgt ohne Zünder etwas mehr als 4 kg. Ausgelöst wird die Mine über einen Druck- und Zugzünder vom Typ DM-56, der in verschiedenen Versionen gefertigt wurde. Manche Quellen erwähnen auch einen elektrischen Zünder (DM-29). Für Ausbildungszwecke wird eine Übungsmine mit der Bezeichnung DM-28 eingesetzt, für die eine Rauchladung verfügbar ist. Die Mine kann also als Tret- oder Stolperdrahtmine und als Beobachtungsmine eingesetzt werden (BITS, 1995, Datenbanksatz DM-31; Tresckow, 1975, S.400).

Nach regierungsamtlichen Angaben wurde die DM-31 nur an Großbritannien, Frankreich, Schweden und Dänemark geliefert. Insgesamt aber liegen eindeutige Hinweise zu Lieferungen von deutschen Anti- Personenminen in mindestens zwölf Staaten – davon allein vier afrikanische (Äthiopien, Angola, Eritrea und Sambia) – vor.“

Um sich so etwas auszudenken, braucht es kranke Hirne. Und um damit Geld zu verdienen, Skrupellosigkeit, Gewissenlosigkeit und Menschenverachtung. Das ist im Wortsinne Blutgeld, gewonnen aus zerrissenen Leibern. Und diese Springteufel liegen immer noch in der Welt herum. Aber es ist ja Zeit, diese Dinge zu vergessen, wie Sven Quandt in „Das Schweigen der Quandts“ meinte.

Ein Vorschlag an die Quandts, die nicht wissen, wohin mit ihrem Geld, deren einer wie der fliegende Holländer sinnlos getrieben durch die Wüsten rast und die Laberanten durch die Welt kutschieren, die uns belatschern sollen, damit wir ihre Autos kaufen, nutzen oder zumindest gut finden, gemäß dem Motto ihrer Werbeagentur Häberlein & Mauerer: Mauerer:

Statt eure Lab-Baustelle von Polizisten, Sicherheitsdienst und Schäferhund bewachenbewachen zu lassen, finanziert lieber Minenhunde, damit euer Dreck wieder aus der Welt kommt.
schäferhund auf einem Minenfeld

Sie wollen doch nur spielen!

Das BMW Guggenheim Lab hat sein Programm für die ersten 3 Wochen veröffentlicht. Und siehe da: Sie wollen doch nur spielen.
Also kein Grund zur Aufregung. Und wenn ich mitspielen wollte, könnte meine Woche folgendermaßen aussehen:

Am Sonntag dringe ich nach dem Brunch am Kollwitzplatz in meine städtische Umgebung vor.

Am Montag nehme ich einen tollen Solar-Kaffeebohnenröster mit nach Hause.

Am Dienstag wollen sie mit mir altem Fahrrad-Desperado – mit Beschleunigungssensor natürlich - ausgefallene Haushalte in Mitte besuchen, damit ich dort intimen Vorträgen lauschen kann. (Sind die jugendfrei?)

Am Mittwoch baue ich mir ein Glukosemessgerät.

Am Donnerstag angle ich mit einem Wasserverschmutzungssensor in der Panke und pinkle in die Strömung.

Am Freitag trainiere ich mein Gehirn mit Improvisations-Comedy-Training.

Boahh! War das eine anstrengende Woche. Deshalb ruhe ich mich am Samstag aus, trinke ein glukosefreies Malzbier, traktiere meine Kinder ganz bequem mit dem ferngesteuerten Windelwechsler und singe: „Schrumm, Schrumm, Schrumm! Wer arbeitet, ist dumm!“

Und dann? Und dann fängt alles wieder von vorne an.

Für Donnerstag, den 5. Juli, haben die Programmmacher dann allerdings eine Überraschung bereit:
„‘Spielen‘ bezeichnet die Besitzergreifung der physischen und sozialen Stadt auf unerwartete und kreative Weise“, heisst es dort frivolerweise.

Ist das eine Empfehlung? Sollen wir das Lab dann stürmen? Dürfen wir das nur am 5.7. oder auch an anderen Tagen? Abgesehen davon, daß ihr uns den Rasen im Nordhof des Pfefferbergs eh geklaut habt, wir also nur von unserem vertraglich zugesicherten Zugang Gebrauch machen würden.

Derweil ihr euch auf’s Basteln und Spielen vorbereitet, waren eure Finanziers, die Quandts und BMW auch nicht faul. Susanne Klatten (geb. Quandt), die BMW-Großaktionärin und die BMW AG, die gemeinsam die SGL Carbon kontrollieren (S.K. 29%, BMW 15%) haben im kalifornischen Gardena ihren Stabilbaukasten namens HITCO' . HITCO ist eine 100%ige Tochter der SGL Carbon und stolz darauf, am Super Sonic Stealth Fighter, dem F 35 F35 des Pentagon beteiligt zu sein, einem der größten Rüstungsprogramme der Geschichte .

Seht ihr, liebe Laboranten, die Großen, die euch bezahlen, spielen auch; so oder so, die einen mit Windeln, die anderen mit dem Tod.
Aber: Pecunia non olet, selbst wenn man mit Windeln spielt.

(Anm: Die Spielideen sind kein Papperlabpapp, sondern tatsächlich dem Programm des BMW Guggenheim Lab entnommen. Das kursiv Gedruckte ist wörtlich zitiert. )

Das Papperlabpapp ist eröffnet

Das Papperlabpapp ist eröffnet. (s. Anm.)

Wozu? Weil wir Grundsätze haben:

1. Wir labern schon immer selber und wollen das auch weiterhin.

2. Wir sind nicht von Pappe, aber gegen jene. (s.u.)

3. Wir konfrontieren den Komfort in Form von Außer-Haus-Pappe, -Plastik, -Glas, -Aluminium ,global to-go genannt. (s.u.)

4. Wir treten ein für den Erhalt einer öffentlich zugänglichen Grünfläche auf dem Teutoburger Platz, auch für den Fall, daß unserem „grünen“ (wo nur?) Stadtrat Kirchner „eine flächenmäßige Einschränkung der Grünfläche zur Erhaltung der Wirschaftlichkeit des Gesamtprojektes Pfefferberg“ notwendig erscheint.

5. Wir werden uns in den nächsten Jahren mit dem Papperlabpapp von einem Sanierungsgebiet in den nächsten Problemkiez hineinlabern.

6. Wir agieren lokal, regional, saisonal und veronal, nicht global.

7. Im zweijährigen Rhythmus werden wir auf den Teute zurückkehren, um mit den Ohren zu schlackern, weil – wie beim Wettlauf zwischen Hase und Igel – die Investoren, die Immobilienwirtschaft und die staatlichen Privatisierer uns wieder einmal zuvorkamen.

8. Dennoch werden wir naiv, blauäugig und romantisch unverdrossen weiterlabern, bis wir die verbliebenen Grünflächen von unten betrachten.

Auch wenn der gewichtige Ex-Außenminister Fischer inzwischen mit dem BMW darüber brettert, haben wir nicht vergessen, daß unter dem Pflaster der Strand liegt.

9. Das Papperlabpapp ist unabhängig und finanziert sich durch Zwangsarbeit und Werkverträge der Laberer mit ihrer eigenen Zunge.

10. Einmal jährlich schütten wir uns aus vor Lachen wie BMW die Dividende. Unsere Mitlaberer und andere Pappenheimer werden angemessen beteiligt.

11. Ein Szenekiez ohne Szene erscheint uns zahnlos.

12. entfällt

13. Unsere Hymne singt Miss Universum Nina Hagen: „Ich bin mein Radio,mein eigenes, universelles Rahadio.“
Dabei beziehen wir uns vor allem auf folgende Zeilen:
„Hey,Brüder und Schwestern des Universums,
wir versinken im Dreck,
universelles Radio, Radio,
hat denn alles noch Zweck?
Mit all der geistigen Umnachtung
alle Achtung…“

Anm.:
Die seit dem 18. Jhdt. bezeugte Interjektion “papperlapapp!”, die zum Ausdruck der Abweisung eines leeren Geredes dient, ist eine lautspielerische Bildung und gehört zu der lautnachahmenden Wortgruppe von -papp-, in der Wendung “nicht mehr papp sagen können”, sehr satt sein. Pappeln und babbeln für “schwatzen”. “Papp”, “Pappe”= Brei als Kinderspeise, breiartige Masse, Kleister; seit dem 15. Jhdt. bezeugtes Lallwort aus der Kindersprache, verwandt mit engl./ niederländisch pap = Brei. pappen = mit Brei füttern, kleistern; auch “päppeln”. pappig = breiartig, klebrig. Pappe = aus grobem Papierbrei hergestellter Werkstoff. “Nicht von Pappe sein”: Der wurde nicht mehr von Brei ernährt, sondern bekam kräftiges Essen und wurde dadurch gesund und stark. (Quelle: Duden, Herkunftswörterbuch)

Video-Kundgebung gegen das „Lab“

(von Indymedia)

Trotz strömenden Regens fand am letzten Dienstag vor dem geplanten Standort des „BMW Guggenheim Lab“ auf dem Pfefferberg im Prenzlauer Berg eine Video-Kundgebung unter dem Motto „BMW Lab verhindern“ statt. Aufgerufen hatte ein Bündnis namens „Projekte und Initiativen aus Mitte und Prenzlauer Berg“.
(mehr…)